Medienticker - Religion(en) in Österreich

Offenes Forum für Diskussionen über Atheismus und Religion.

Moderatoren: Wilfried Apfalter, Kudi, Eosphoros, martinperz

Wilfried Apfalter
Beiträge: 4167
Registriert: 6. November 2015, 12:18
Wohnort: Wien

Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 28. Dezember 2018, 13:23

Heute auf derStandard.at: "Staatsanwalt ermittelt gegen Bischof Schwarz" (28.12.2018).
Der Untreueverdacht, der gegen die Leiterin des Bildungshauses St. Georgen erhoben wurde, ist nun auf Bischof Alois Schwarz ausgeweitet worden

Klagenfurt / Graz / St. Pölten – Die Staatsanwaltschaft Graz ermittelt wegen Untreueverdachts gegen den ehemaligen Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz. Hansjörg Bacher, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Kronen Zeitung". Bereits seit Oktober wird gegen die Vertraute des nunmehrigen St. Pöltner Bischofs, Andrea Enzinger, ermittelt. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.

Details zu den Verdachtsmomenten wurden am Freitag von der Staatsanwaltschaft nicht genannt: "Zu den Inhalten kann keine Stellungnahme abgegeben werden. Wir stehen im Ermittlungsverfahren ganz am Anfang", sagte Bacher.

Strittige Kündigung

Enzinger war als Leiterin des Bildungshauses St. Georgen am Längsee angestellt – mit einem Jahresgehalt von 91.000 Euro plus Dienstauto und Dienstwohnung. Nach dem Schwarz' Dienstantritt in Niederösterreich war Enzinger im Juli beurlaubt worden, Ende August wurde das Dienstverhältnis beendet. Sie bekämpfte ihre Kündigung vor Gericht mit dem Argument, dass sie vom Diözesanadministrator gar nicht hätte gekündigt werden dürfen, da dieser nach dem Kirchenrecht dazu gar nicht befugt sei. Die Diözese hatte hingegen die Rechtsgültigkeit des Dienstvertrags mit Enzinger bezweifelt.

[...]

Kärntner Kirchenführung hält Vorwürfe aufrecht

Die Kärntner Kirchenführung hat am Freitag die Aussagen von Kardinal Christoph Schönborn und Bischof Alois Schwarz bezüglich der Ergebnisse des Prüfberichts der Arbeitsgruppe Bistum als "unwahr und nicht der Faktenlage entsprechend" zurückgewiesen. Es handle sich um "untaugliche und unlautere Versuche", eine "Reinwaschung" zu betreiben, hieß es in einer Aussendung.

Schönborn und Schwarz hätten sich in den vergangenen Tagen wiederholt öffentlich zu den im Prüfbericht der Arbeitsgruppe erhobenen Vorwürfen betreffend Misswirtschaft und rechtliche Schieflagen im Bistum Gurk geäußert. Die Arbeitsgruppe werte sie als untaugliche und unlautere Versuche, durch einseitiges und verzerrendes Zitieren aus dem Bericht des externen Wirtschaftsprüfers Breschan eine "Reinwaschung" zu betreiben und damit die Arbeit nicht nur der Arbeitsgruppe, sondern auch der externen Prüfer in ein schiefes Licht zu rücken. Man wolle sich nicht dem Vorwurf aussetzen, durch Schweigen diesen "unrichtigen und verharmlosenden Äußerungen von Kardinal Schönborn und Bischof Schwarz" zuzustimmen, und sehe sich deshalb zu einer Klarstellung veranlasst.

[...]

Prüfung aller Geldflüsse

In der Aussendung heißt es dazu: "Die Arbeitsgruppe Bistum hält es daher für unerlässlich, dass im Rahmen der Apostolischen Visitation auch diese Geldflüsse geprüft und offengelegt werden, da diese Transaktionen auch von steuerrechtlicher Relevanz sein könnten." Weiters wird betont, dass Bischof Schwarz bei seinem Wechsel nach St. Pölten das Bistum Gurk nicht, wie von ihm behauptet, mit einer ausgeglichenen Bilanz übergeben habe, sondern mit einem Jahresverlust von 1,9 Millionen Euro.

Das Bildungshaus Stift St. Georgen am Längsee mitsamt dem Hotelbetrieb allein habe in den letzten vier Jahren Gesamtverluste in der Höhe von 3,9 Millionen Euro erwirtschaftet. "Diese Verluste sind Ergebnis einer völlig verfehlten, Wirtschaftlichkeitsüberlegungen außer Acht lassenden Investitionspolitik und höchst fragwürdiger Personalentscheidungen." Da der Wirtschaftsrat des Bistums statutenwidrig in viele Entscheidungen nicht eingebunden wurde und daher nicht mehr bereit war, die Verantwortung für die Gebarung des Bistums mitzutragen, habe er Ende 2017 auch geschlossen seinen Rücktritt erklärt.

Lamprecht, der seit kurzem wieder Finanzkammerdirektor der Diözese ist, betonte, es handle sich bei diesen Vorgängen um Kirchengeld, und es sei unbedingt notwendig, dass sämtliche Ungereimtheiten überprüft und aufgeklärt würden. Die Finanzgebarung der Diözese selbst, an die die Kirchenbeiträge der Katholiken fließen, ist von den Vorgängen nicht betroffen.

Die Arbeitsgruppe Bistum, die im Sommer vom Domkapitel eingesetzt wurde, besteht aus dem Ökonom des Gurker Domkapitels, Gerhard Kalidz, Dompfarrer Peter Allmaier, dem Juristen des Domkapitels, Burkhard Kronawetter, und Diözesanökonom Franz Lamprecht als Konsulent.
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Wilfried Apfalter
Beiträge: 4167
Registriert: 6. November 2015, 12:18
Wohnort: Wien

Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 6. Januar 2019, 13:21

Heute auf religion.orf.at: "Bischof Schwarz mit Rücktrittsaufforderung konfrontiert" (6.1.2019).
Gerda Schaffelhofer, bis vor kurzem Präsidentin der Laienbewegung „Katholische Aktion“, hat Bischof Alois Schwarz am Sonntag in einem offenen Brief zum Rücktritt aufgefordert.

Er solle sein Amt in St. Pölten zumindest solange ruhend stellen, bis er sich entschieden habe, wie er sein Leben weiterführen wolle, meint die frühere Studienkollegin des Klerikers und Verlegerin in der „Kleinen Zeitung“.

Bischof Schwarz in öffentlicher Kritik

Schwarz steht seit seinem Wechsel von Kärnten nach Niederösterreich öffentlich in der Kritik. Ein Großteil davon entzündet sich an einer angeblich unangemessenen Beziehung des zum Zölibat verpflichteten Bischofs zu einer engen Mitarbeiterin und Vertrauten.

Um seinen Lebensstil und dieses Verhältnis dreht sich nun auch der offene Brief Schaffelhofers. Seine Vertraute habe sehr großen Einfluss auf den Bischof gehabt, das Verhältnis habe zu Gerüchten und möglicherweise auch zu einer Erpressbarkeit des Bischofs geführt. Schwarz hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Entscheidung des Bischofs gefragt

Der Bischof müsse sich nun entscheiden, meint Schaffelhofer. „Wenn du ihr wirklich gehörst, dann wäre es anständig und angebracht, die Konsequenzen aus dieser Liebe zu ziehen, wie es viele Priester vor dir getan haben. Wenn dem aber nicht so ist, dann bedarf es deines entschiedenen Widerspruchs, in Wort und in Tat.“

Das würde dann bedeuten, dass die Vergangenheit kompromisslos aufgearbeitet werden und Schwarz Verantwortung übernehmen müsse. „Solange du dich aber für keinen dieser beiden Wege entschieden hast, solltest du alle deine Ämter vorerst ruhen lassen.“ Es gehe dabei auch um die Glaubwürdigkeit der Katholischen Kirche.
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Wilfried Apfalter
Beiträge: 4167
Registriert: 6. November 2015, 12:18
Wohnort: Wien

Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 7. Januar 2019, 16:54

Heute auf religion.orf.at: "Caritas-Streit: Katholischer Familienverband mahnt FPÖ" (7.1.2019).
Der Präsident des Katholischen Familienverbandes, Alfred Trendl, hat die Aussagen des FPÖ-Klubobmannes Johann Gudenus über die Caritas kritisiert: „Sachliche Kritik ist immer willkommen, persönliche Diffamierung ist eines NR-Abgeordneten unwürdig“, so Trendl.

Gudenus hatte der Caritas Profitgier in Zusammenhang mit der Flüchtlingsbetreuung vorgeworfen. „Die Caritas verbindet – genau wie andere Sozialeinrichtungen auch – das Engagement der Ehrenamtlichen mit der Kontinuität und Professionalität von angestellten Mitarbeitern“ so Trendl in einer Aussendung am Montag.

„Diese Struktur funktioniert sehr gut oder will Gudenus auf die Arbeit in den Pfarren, die Lern-Cafes oder die Aktion LeO, welche die Ausgabe von Lebensmittel mit kostenloser Orientierung und Beratung von Armutsgefährdeten verbindet, verzichten?", so Trendl weiter.

[…]

Caritas „kein Konzern“

Die Caritas, die in jüngster Zeit zur Zielscheibe für politische Angriffe geworden ist, ist eine römisch-katholische Hilfsorganisation. 15.648 hauptberufliche Mitarbeiter sowie 50.000 Freiwillige kümmern sich um Pflegebedürftige, Obdachlose, Flüchtlinge und Menschen mit Behinderung. Genau genommen handelt es sich um neun eigenständige Organisationen in den Diözesen, die als Vereine fungieren.

Die Caritas-Organisationen in Österreich unterstehen ausschließlich dem jeweiligen Diözesanbischof und handeln - auch finanziell - eigenständig als eigener Rechtskörper. Falsch ist die Behauptung, es handle sich um einen „Konzern“: Die Institutionen sind jeweils als Verein nach kirchlichem Recht eingetragen. Die Caritas Österreich als Dachorganisation untersteht derzeit Präsident Michael Landau.

Nicht gewinnorientiert

Der Großteil des Budgets der Caritas stammte 2017 mit 698 Mio. Euro aus den Erträgen aus Dienstleistungen. Gewinn wird damit aber keiner gemacht, da das Geld zurück in Mitarbeiter und Verwaltung fließt - der größte Brocken in den Pflegebereich. Weiters wird die Arbeit durch Spenden finanziert: 2017 betrugen diese 68 Mio. Euro. Ein kleiner Teil des Budgets speist sich außerdem durch den Kirchenbeitrag. Rund 100 Mio. Euro gab es zudem an Subventionen.

Die gemeinnützige Hilfsorganisation erhält unter anderem 41 Obdachloseneinrichtungen mit 1.793 Schlafplätzen, zwölf Mutter-Kind-Häuser sowie 47 Senioren- und Pflegewohnhäuser mit über 4.680 betreuten Menschen. 35 Beratungsstellen sowie 8.038 Quartiersplätze standen für Flüchtlinge zur Verfügung. Zudem wurden weltweit rund 550 Hilfsprojekte unterstützt.

[…]
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Wilfried Apfalter
Beiträge: 4167
Registriert: 6. November 2015, 12:18
Wohnort: Wien

Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 9. Januar 2019, 12:24

Heute auf religion.orf.at: "Katholische Kirche: Wieder mehr Austritte" (9.1.2019).
Die Zahl der Austritte aus der römisch-katholischen Kirche ist im vergangenen Jahr gestiegen. Der aktuellen Kirchenstatistik zufolge gab es mit Stichtag 31. Dezember 2018 in Österreich 5,05 Millionen Katholikinnen und Katholiken - 1,1 Prozent weniger als 2017.

[…]

Maßgebliche Faktoren für den Rückgang der Katholikenzahl sind jedenfalls nicht nur das Verhältnis von Austritten zu Kircheneintritten, sondern vor allem auch von Taufen zu Sterbefällen und von Zuzügen zu Wegzügen.

Unterschiedliche Entwicklungen in den Diözesen

Die einzelnen Diözesen meldeten laut katholischer Nachrichtenagentur Kathpress wie immer unterschiedlich stark akzentuierte Entwicklungen. Interessant dabei: Zwar stieg die Zahl der Austritte in Gurk-Klagenfurt, wo bis vor einem Jahr der wegen seiner Amtsführung umstrittene Bischof Alois Schwarz residierte, massiv - um 16,8 Prozent. Dessen neue Diözese St. Pölten verzeichnete aber als einzige einen Rückgang bei den Austritten und zwar von 4,5 Prozent.

Ebenfalls einen verhältnismäßig großen Anstieg (14,1 Prozent) an Austritten gab es in der Erzdiözese Wien, wo 17.367 Personen aus der Kirche austraten. In Linz waren es 10,4 Prozent oder 9.714 Personen. In der Diözese Innsbruck verließen 3.614 Personen die Kirche, ein Anstieg von 9,6 Prozent, in Eisenstadt 1.299 Personen (plus 8,3 Prozent) und in Graz-Seckau 10.440 (plus 8,3 Prozent).

[…]

Auch Eintritte gestiegen

Mit Stichtag vom 31. Dezember 2018 wurden aber auch 5.133 Personen in die Kirche wieder oder neu aufgenommen. Das ist zwar um 6 Prozent weniger als 2017 (5.461). Die Eintritte in die katholische Kirche nehmen aber über mehrere Jahre betrachtet stetig leicht zu.

[…]

Weniger Priester und Ordensleute

Die Zahl der in Österreich wirkenden Priester ist laut der aktuellen Kirchenstatistik 2017 leicht gesunken: von 3.920 (im Jahr 2016) auf 3.857. Insgesamt zeigt sich in den vergangenen Jahren eine relativ stabile Situation. Nicht enthalten in den aktuellen Zahlen für 2017 sind zudem weitere 170 Diözesanpriester aus Österreich, die in anderen Ländern der Welt ihren priesterlichen Dienst versehen. Stabil geblieben ist die Zahl der ständigen (und meist verheirateten) Diakone: Die amtliche Statistik für 2017 weist 712 aus, 2016 waren es 719.

Die Zahl der Ordensmänner in Österreich (Ordensbrüder und Ordenspriester) nimmt leicht ab (2017: 1.920, 2016: 1.970). Für die Ordensfrauen in Österreich weist die amtliche Statistik 2017 exakt 3.600 Schwestern aus. Die Zahl der Ordensfrauen in Österreich nimmt seit Jahren leicht aber stetig ab (2016 3.715).

[…]

Trauungen und Erstkommunionen rückläufig

Gesunken ist 2017 die Zahl der Trauungen. Exakt 10.808 Paare traten vor den Traualtar, 2016 waren es noch 11.313. Die Zahl der kirchlichen Begräbnisse ist 2017 mit 53.846 gegenüber 2016 (52.358) gestiegen.

Rückläufig sind die Zahlen bei den Erstkommunionen, was vor allem demografische Gründe hat. Die Erstkommunionen gingen von 49.423 (2016) auf 48.734 (2017) zurück. Bei den Firmungen weist die amtliche Kirchenstatistik für 2017 44.839 aus. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber 2016 (47.675).

Leicht rückläufig ist laut Statistik die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher. Wurden an den sogenannten „Zählsonntagen“ 2017 zwischen rund 545.000 und 571.000 Messbesucher gezählt, so waren es 2016 zwischen 545.000 und 595.000. (2015 wurden noch zwischen 568.000 und 606.000 und 2014 zwischen 577.000 und 623.000 gezählt.)

[…]

Kirchenbeitragseinnahmen leicht gestiegen

Die katholischen Diözesen in Österreich können für 2017 leichte Steigerungen beim Kirchenbeitragsaufkommen und insgesamt ausgeglichene Bilanzen verzeichnen. Das geht aus der österreichweiten kirchlichen Gebarungsübersicht hervor, die ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht wurde. Der Großteil der Einnahmen der Diözesen stammt aus dem Kirchenbeitrag.

2017 waren es über 461 Millionen Euro (knapp 76 Prozent der Gesamteinnahmen), 2016 lagen die Kirchenbeiträge bei 451 Millionen Euro. Zwei Drittel der Budgets sichern die kirchliche Basisstruktur und die Seelsorge. So wurden laut Rechenschaftsbericht für die Pfarren und die pastoralen Aufgaben insgesamt 393 Millionen Euro aufgewendet, was einem Anteil von über 65 Prozent an den Gesamtausgaben entspricht.

Positives Finanzergebnis

Das unter den zehn katholischen Diözesen akkordierte Zahlenwerk enthält neben einer Gebarungsübersicht auch einen Rechenschaftsbericht, der so wie im Vorjahr einen detaillierteren Einblick in Einkünfte und Aufwendungen zulässt als früher. Insgesamt verzeichnen die Diözesen 2017 Gesamteinnahmen in der Höhe von etwas über 609 Millionen Euro (2016: 604 Millionen).

Dem stehen Aufwendungen von 602 Millionen Euro (2016: 602 Millionen) gegenüber. Aufgrund eines positiven Finanzergebnisses weist die Gebarungsübersicht der Diözesen insgesamt ein positives Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) in der Höhe von rund 23 Millionen Euro (2016: 19 Millionen) und ein Gesamtbudget von knapp 625 Millionen Euro aus (2016: 621 Millionen).
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Wilfried Apfalter
Beiträge: 4167
Registriert: 6. November 2015, 12:18
Wohnort: Wien

Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 11. Januar 2019, 18:31

Heute auf religion.orf.at: "Bischof Schwarz - Lackner: Visitation umfasst zehn Jahre" (11.1.2019).
Die Apostolische Visitation in der Diözese Gurk beginnt am Montag, den 14. Jänner. Entgegen anders lautenden Medienberichten unterstrich der Salzburger Erzbischof, dass sein Mandat nicht nur auf die Sedisvakanz, sondern auf die zehn Jahre davor umfasse.

„Der Auftrag, der mir mittels päpstlichem Dekret erteilt wurde, lautet: ‚den Zustand der Diözese Gurk-Klagenfurt in Bezug auf die katholische Lehre und Leitung in Augenschein zu nehmen‘, d.h. die tieferliegenden Gründe, die zur gegenwärtigen Verwirrung führten, zu erforschen und dem Hl. Stuhl zu berichten“, erklärte der Salzburger Metropolit seinen Visitationsauftrag.

Visitation umfasst die letzten zehn Jahre

Entgegen anders lautenden Medienberichten am Freitag unterstrich der Salzburger Erzbischof, dass sich sein Mandat nicht nur auf die seit Juli 2018 bestehende Sedisvakanz in der Diözese Gurk beziehe, sondern die zehn Jahre davor umfasse.

„Die Visitation betrifft das Ganze, auch das Wirken der jetzigen Kirchenleitung in Kärnten. In Abstimmung mit der Bischofskongregation in Rom wurde der Prüfungszeitraum ab 2008 festgelegt“, hielt Erzbischof Lackner fest und sagte: „Mein Dienst gilt der Diözese Gurk-Klagenfurt für eine gute Zukunft der Kirche in Kärnten. Diesem Anliegen müssen alle dienen.“ Bei der Visitation wird der Erzbischof durch den Feldkircher Bischof Benno Elbs unterstützt.

[…]

Aufgaben eines „apostolischen Visitators“

Ein „Apostolischer Visitator“ ist ein Beauftragter des Papstes, der in einer Diözese oder einem anderen kirchlichen Bereich als eine Art Kontrolleur mit umfassenden Befugnissen agiert.
Die Untersuchten sind laut Kirchenrecht verpflichtet, „vertrauensvoll mit dem Visitator zusammenarbeiten, indem sie auf rechtmäßiges Befragen wahrheitsgemäß“ zu antworten haben.

Die Einsetzung eines Apostolischen Visitators für eine gesamte Diözese bedeutet, dass der Visitator im Auftrag des Papstes die gesamte Amtsführung des Diözesanbischofs - im Falle einer Sedisvakanz die des Diözesanadministrators - sowie alle diözesanen Einrichtungen zu überprüfen hat. Sein Bericht dient als Grundlage für weitere Entscheidungen des Apostolischen Stuhls.
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Wilfried Apfalter
Beiträge: 4167
Registriert: 6. November 2015, 12:18
Wohnort: Wien

Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 14. Januar 2019, 10:24

Heute auf religion.orf.at: "Gurk: Guggenberger erwartet „objektive Antworten“" (14.1.2019).
Der derzeitige Administrator der Diözese Gurk-Klagenfurt, Engelbert Guggenberger, erwartet von der am Montag beginnenden Apostolischen Visitation „objektive Antworten“.

Er erhoffe sich eine „Klarstellung, was der tatsächliche Prüfungsauftrag und die Befugnisse des Visitators sind“, erklärte Guggenberger Montag in der Früh gegenüber der APA. Es müsse klar sein, dass die derzeitige Führung der Diözese von ihrem bisherigen Kurs der Glaubwürdigkeit und Transparenz „keinen Millimeter abweichen“ werde, so Guggenberger vor dem ersten Treffen mit dem Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der vom Papst zum Visitator bestimmt worden war.

Er erwarte sich weiter, dass die Visitation auf die vielen aufgeworfenen Fragen objektive Antworten gebe und diese in transparenter Form auch nach Rom übermittelt würden. Zugleich steckte Guggenberger auch gleich Grenzen ab, indem er sagte: „Sollte versucht werden, die Visitation dazu zu missbrauchen, Dinge unter den Teppich zu kehren und die Fakten zu verschleiern, werden wir dies sicherlich nicht zulassen.“

[…]

Generalvikar Guggenberger, vom Domkapitel Anfang Juli 2018 zum Diözesanadministrator gewählt, legte sein Amt von Anfang weg eher offensiv an. Er machte eine ganze Reihe von Maßnahmen des Bischofs rückgängig und kümmerte sich um all jene Bereiche, in denen es teilweise bereits bedenklich zu knirschen begonnen hatte. Die Finanzen des Bistums, des bischöflichen Mensalguts, über das der Bischof allein verfügte, wurden überprüft.

Dort hatten sich in den Jahren 2016 und 2017 Millionenverluste angesammelt. Teure Personalentscheidungen wurden revidiert, Statutenänderungen, die vom Domkapitel als rechtswidrig bezeichnet wurden, rückgängig gemacht und vieles mehr. Das Erstaunliche daran war, dass alle diese Schritte auch öffentlich gemacht wurden.

Prüfbericht veröffentlicht

Guggenberger hatte von Anfang an die Rückendeckung des Domkapitels. Dieses achtköpfige Gremium wirkt alles andere als rebellisch, doch als Rom eingriff und den Kärntnern die Veröffentlichung ihrer Prüfungsergebnisse untersagte, setzten sich die honorigen Herren einfach darüber hinweg. Das sorgte weit über die Landesgrenzen hinaus für Verwunderung, allerdings hatte Schwarz selbst kräftig dazu beigetragen.

Denn während die Kärntner vorerst das Verbot einer Veröffentlichung des Prüfberichts akzeptierten und die geplante Pressekonferenz absagten, zitierte der jetzige St. Pöltner Bischof aus eben jenem Bericht und erklärte, dieser bescheinige ihm, dass ohnehin alles in Ordnung sei.

„Frau Bischof“

Der Bericht des Domkapitels spricht eine andere Sprache. Das Bistum schrieb 2017 einen Verlust von 1,9 Millionen Euro, die Kosten für das Bildungshaus St. Georgen, wo Schwarz seine enge Vertraute Andrea Enzinger schalten und walten ließ, gingen durch die Decke. Enzinger wurde im Bischofshaus inoffiziell nur noch als „Frau Bischof“ bezeichnet. Guggenberger erklärte dazu: „Bischof Schwarz war durch dieses Abhängigkeitsverhältnis vom Gutdünken und den Launen dieser Person bestimmt.“

Der hoch dotierte Dienstvertrag Enzingers wurde vom Domkapitel aufgelöst, worauf sie zum Arbeitsgericht ging. Der Richter übermittelte sämtliche Unterlagen umgehend an die Staatsanwaltschaft und äußerte den Verdacht auf Untreue. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft - die Causa wurde nach Graz abgetreten - gegen Enzinger, aber auch gegen Bischof Schwarz. Die Anklagebehörde will sich auch den Prüfbericht kommen lassen, eine Sprecherin von Schwarz bezeichnete die Ermittlungen als „Routinevorgang“.

Unregelmäßigkeiten bei Immobiliengeschäft

Dazu kommen vermutete Unregelmäßigkeiten bei einem Immobiliengeschäft. Hier soll der Kaufpreis offiziell absichtlich niedrig gehalten worden sein, parallel dazu ging aber eine Großspende ein - vom Käufer. Auch diese Causa wird möglicherweise ein juristisches Nachspiel haben.

[…]

Unmut über Lackner-Bestellung

Dass nun mit Lackner ein persönlicher Freund von Schwarz zum Visitator ernannt wurde, sorgte in den vergangenen Tagen für Unmut. Die Diözese Gurk-Klagenfurt erhielt erst am Freitag, nach mehreren Urgenzen, das Dekret der Bischofskongregation übermittelt, um zu erfahren, was überhaupt konkreter Zweck der Visitation ist. Die Kärntner lasen aus dem Dekret heraus, dass lediglich die Zeit der Sedisvakanz geprüft werden solle. Lackner erklärte hingegen, in Abstimmung mit der Bischofskongregation in Rom sei der Prüfungszeitraum ab 2008 festgelegt worden. Er solle „die tieferliegenden Gründe, die zur gegenwärtigen Verwirrung führten“, erforschen.
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Wilfried Apfalter
Beiträge: 4167
Registriert: 6. November 2015, 12:18
Wohnort: Wien

Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 14. Januar 2019, 12:05

Heute auf religion.orf.at: "Kopftuchverbot: Uneinigkeit bei Experten" (14.1.2019).
Volksschulkinder sollten kein Kopftuch tragen - darüber waren sich Fachleute am Wochenende an der Uni Wien bei der Tagung über ein Verhüllungsverbot einig. Kritik am geplanten Kopftuchverbot gab es dennoch und im Vorfeld auch an der Veranstaltung selbst.

Bei der Veranstaltung des Instituts für Islamisch-Theologische Studien „Verhüllungsverbot an österreichischen Volksschulen: Hintergründe, Risiken, Nutzen“ diskutierten Fachleute aus den Bereichen der islamischen sowie katholischen Theologie, der Rechtswissenschaften und Pädagogik den ganzen Samstag das brisante politische Thema. Die meisten Expertinnen und Experten bezweifelten die Sinnhaftigkeit eines Kopftuchverbotes und sprachen sich für den Weg aus, Überzeugungsarbeit bei betroffenen Eltern zu leisten.

[…]

Kritik am Ton der Debatte

Die Tonalität der Debatte über Kinder mit Kopftuch kritisierte Soziologe und Politikberater Kenan Güngör. „Es nicht anzusprechen wäre höchst problematisch, es geht aber um das Wie.“ Derzeit würden „Teile der Regierung eine von Ressentiments geleitete Politik betreiben“ und damit bei österreichischen Muslimen „große Unsicherheit“ erzeugen. Diese würden sich angesichts des Kopftuchverbots in Kindergarten und Volksschule die Frage stellen, was Muslimen als nächstes verboten wird. Das Ziel der Regierung, durch ein Kopftuchverbot den konservativen Islam zu schwächen, werde dadurch möglicherweise sogar konterkariert.

Problematisch ist in diesem Zusammenhang für Güngör auch, dass die IGGÖ in Österreich als Vertretung der Muslime gilt. In diesem Dachverband seien bestimmte Vereine mit teils problematischen Sichtwesen strukturell überbewertet, die IGGÖ könne weder zahlenmäßig noch inhaltlich für die Mehrheit der österreichischen Muslime sprechen.

[…]

Eine Flucht vor dem Kopftuchverbot an Volksschulen in den häuslichen Unterricht scheint man in der Regierung nicht zu befürchten. Das sei „müßig vorherzusehen“, meinte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), der die Diskussion als Zuhörer verfolgte, auf die Frage von Stefan Schima vom Institut für Rechtsphilosophie, der nach seinem Vortrag die Tagung im Publikum verfolgte. Faßmann rechne damit, dass häuslicher Unterricht, bei dem die Leistung per Externistenprüfung nachgewiesen werden muss, weiter ein „Minderheitenprogramm“ bleibt. Von den rund 1,1 Millionen Schülern in Österreich werden rund 2.000 daheim unterrichtet.
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Wilfried Apfalter
Beiträge: 4167
Registriert: 6. November 2015, 12:18
Wohnort: Wien

Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 15. Januar 2019, 09:51

Heute auf religion.orf.at: "Ethik laut Faßmann ab 2020/21 Unterrichtsfach" (15.1.2019).
ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann will den verpflichtende Ethikunterricht für Schülerinnen und Schüler, die - weil abgemeldet oder ohne religiöses Bekenntnis - am konfessionellen Religionsunterricht nicht teilnehmen, im Schuljahr 2020/21 starten lassen.

Das berichtet der „Kurier“ (Dienstag-Ausgabe). Im Ministerium wurde der Plan auf APA-Anfrage bestätigt. Beginnen will man mit Jugendlichen ab der neunten Schulstufe. Schüler Schülerinnen und Schüler der AHS-Oberstufe und der berufsbildenden höheren Schulen kommen somit als erste in den Genuss des neuen Unterrichtsfachs, das „eine Alternative zum Kaffeehaus“ und nicht zum Religionsunterricht sein soll, wie Faßmann im Vorjahr gemeint hatte.

Um ein Jahr verschoben

Später soll dann auch die AHS-Unterstufe beziehungsweise die Mittelschule sowie die Volksschule einbezogen werden. Ursprünglich hatte der Bildungsminister die Umsetzung der im Regierungsprogramm festgeschriebenen Maßnahme bereits für Herbst 2019 angepeilt.

Die Verschiebung um ein Jahr liege an der Notwendigkeit, das Personal für den Ethikunterricht auszubilden, hieß es zur APA im Ministerium. Für die Lehrenden (egal welchen Fachs) ist dafür eine Zusatzausbildung an einer Pädagogischen Hochschule oder Universität notwendig.

Ethikunterricht gibt es bereits derzeit als Schulversuch. Im ÖVP/FPÖ-Regierungsprogramm ist künftig „verpflichtender Ethikunterricht für alle, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen“ als Ziel genannt.
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Wilfried Apfalter
Beiträge: 4167
Registriert: 6. November 2015, 12:18
Wohnort: Wien

Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 15. Januar 2019, 15:20

Heute auf religion.orf.at: "Heim Martinsbühel: Petition an Tiroler Landtag" (15.1.2019).
Für einen Untersuchungsausschuss zu den Zuständen im bis 2008 von Benediktinerinnen geführten Tiroler Kinderheim Martinsbühel bei Zirl (Bezirk Innsbruck-Land) liegt derzeit eine Onlinepetition an den Tiroler Landtag auf.

Gegen das Heim gab es wiederholt schwere Vorwürfe des sexuellen und physischen Missbrauchs sowie der Verwahrlosung und seelischer Gewalt bis hin zur Folter. Eingebracht hatte die Petition mit dem Titel „Anregung zur Einrichtung eines Untersuchungsausschusses des Tiroler Landtages zum Kinderheim Martinsbühel“ Wilfried Apfalter, Präsidiumsmitglied der Atheistischen Religionsgesellschaft in Österreich (ARG).

Die Petition ist seit 10. Dezember 2018 auf der Petitionsplattform des Tiroler Landtages zugänglich und kann noch bis zum 23. Jänner mit einer Online-Zustimmungserklärung unterstützt werden. Am Dienstag waren es zuletzt 1.662 Zustimmungserklärungen.

[…]
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Wilfried Apfalter
Beiträge: 4167
Registriert: 6. November 2015, 12:18
Wohnort: Wien

Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 17. Januar 2019, 11:18

Heute auf religion.orf.at: "Keine Mehrheit: Kopftuchverbot wird aufgeschoben" (17.1.2019).
Der Initiativantrag von ÖVP und FPÖ zur Einführung eines Kopftuchverbots an Volksschulen ist am Mittwoch im Unterrichtsausschuss des Nationalrats vertagt worden. Es gibt vorerst keine Mehrheit für den Antrag.

Die Regelung sollte als Verfassungsbestimmung beschlossen werden, dafür gab es allerdings nicht die dafür nötige Zustimmung von SPÖ oder NEOS. Nach Ansicht der beiden Parteien brauche es nicht bloß eine Einzelmaßnahme, sondern vielmehr eine umfassende Diskussion über das Thema Integration.

Mit der Gesetzesinitiative soll generell „das Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist“, untersagt werden. Begründet wird dies mit „der sozialen Integration von Kindern gemäß den lokalen Gebräuchen und Sitten, der Wahrung der verfassungsrechtlichen Grundwerte und Bildungsziele der Bundesverfassung sowie der Gleichstellung von Mann und Frau“.

Breite Kritik an Kopftuchverbot

Vor der neuerlichen Behandlung des Kopftuchverbots im Ausschuss soll ein Expertenhearing abgehalten werden. Das Vorhaben der Regierung, Kindern bis zum Alter von zehn Jahren das Kopftuchtragen zu gesetzlich zu verbieten, hatte viele Kritikerinnen und Kritiker auf den Plan gerufen.

[…]
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast