Medienticker - Religion(en) weltweit

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Wilfried Apfalter
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Re: Medienticker - Religion(en) weltweit

Beitrag von Wilfried Apfalter » 30. Oktober 2019, 22:12

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Tomtiger
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Re: Medienticker - Religion(en) weltweit

Beitrag von Tomtiger » 31. Oktober 2019, 14:37

Hi,


https://religion.orf.at/stories/2993724/
Humanistischer Verband will Trauerredner ausbilden

Der Humanistische Verband Österreich (HVÖ) will einen Kurs für Trauerredner starten. Weltliche Trauerredner gibt es zwar, aber der Verband wolle „Menschen, die tatsächlich nicht religiös sind“ ausbilden, sagte HVÖ-Präsident Gerhard Engelmayer zu religion.ORF.at.

Ab Anfang kommenden Jahres soll der zwei- bis dreitägige Kurs zum „humanistischen Zelebranten“ starten. In dem Kurs sollen den konfessionslosen Teilnehmenden humanistische Werte vermittelt werden und „wie man eine gute humanistische Feier“ ausrichtet, sagte Engelmayer.

Trauerrednerinnen und Trauerredner halten im Namen der Hinterbliebenen einen Nachruf auf den Verstorbenen. Auch die Bestattung Wien vermittelt in Kooperation mit einer Agentur auf Wunsch Trauerrednerinnen und Trauerredner für weltliche Trauerfeiern. „Die Wünsche und Erwartungen der Angehörigen bestimmen dabei wesentlich die individuelle Gestaltung der Trauerfeier“, heißt es auf der Website der Bestattung Wien.

„Menschen, die nicht religiös sind“

Die Traueredner, die laut veröffentlichtem Selbstverständnis dem „Wertekanon des humanistischen Menschenbildes verpflichtet“ sind, können aber auch für religiös-konfessionell ausgerichtete Trauerfeiern in Anspruch genommen werden.

„Wir bieten etwas anderes an", sagte Engelmayer zu religion.ORF.at - und zwar Trauerredner, die humanistisch in unserem Sinn gebildet sind und diese Werte auch teilen. Menschen, die nicht einfach nur keine Priester sind, sondern, die tatsächlich nicht religiös sind“, sagte Engelmayer.


Begräbnis „ohne störenden Gottesbezug“

Die von dem Verband ausgebildeten Trauerrednerinnen und Trauerredner sollen in ganz Österreich konfessionsfreie Begräbniszeremonien gestalten. Sie sollen ein Begräbnis „ohne störenden Gottes- oder Kirchenbezug“ ermöglichen, wie der Verband am Donnerstag in einer Aussendung erklärte.

In den vergangenen Jahren habe sich der „weltliche Sektor der Trauerzeremonien stark erweitert. In ganz Westeuropa werden solche Rituale von speziell geschulten weltlichen Zeremonienmeistern, diplomierten humanistischen Trauerrednern abgehalten“, wird Engelmayer in der Aussendung zitiert. Know-How für den Kurs wolle man aus dem Ausland „importieren“, sagte der HVÖ-Präsident gegenüber religion.ORF.at. Die Kurse sollen Expertinnen und Experten aus dem Ausland abhalten.

Der Humanistischer Verband Österreich (vormals Freidenkerbund) enagiert sich für Humanismus und spricht sich gegen eine staatliche Privilegierung von Religionsgemeinschaften aus. Der Verband tritt für einen säkularen Staat ein.

Clara Akinyosoye, religion.ORF.at
LG Tom

Wilfried Apfalter
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Re: Medienticker - Religion(en) weltweit

Beitrag von Wilfried Apfalter » 31. Oktober 2019, 20:16

Ebenso heute auf religion.orf.at: "Chalupka wünscht sich Eucharistie mit Katholiken" (31.10.2019).
Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka hat sich in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ (Donnerstag-Ausgabe) zum Reformationstag für eine gemeinsame Eucharistie von evangelischen und katholischen Christinnen und Christen ausgesprochen.

Die Ökumene bezeichnete der lutherische Bischof als „vorbildlich“. Er würde sich - wie er sagte - „aber freuen, wenn wir bei der gemeinsamen Eucharistie auch im Sinne der Gastfreundschaft weiterkämen. Das ist ein schmerzlicher Punkt.“ Die evangelische und die katholische Kirche hätten unterschiedliche theologische Auffassungen, „sollten aber am Tisch des Herren Brot und Wein teilen können“, formulierte Chalupka einen „Wunsch“ seiner Kirche.

[...]

Gott ist „parteilich“

Gott selbst sei parteilich für die Armen und Menschen am Rand der Gesellschaft, und in diesem Sinne habe auch Jesus gewirkt. Die Kirche dürfe sich aber nicht „parteipolitisch engagieren“, wie „schlimme Erfahrungen“ in der Ersten Republik zeigten, sagte Chalupka. „Kardinal Franz König (1905-2004) verdanken wir viel, um nicht mehr dorthin zu kommen“, erinnerte der Bischof an dessen Verständnis, wonach Parteien ihre Nähe zur Kirche selbst bestimmen.

Jeder Christ ist aufgerufen, sich selbst ein Bild zu machen, wohin es geht." Am Bemühen der evangelischen Kirche „auf allen Ebenen, damit der Karfreitag wieder zum Feiertag wird“, will der Bischof festhalten.

„Stolz, religiös zu sein“

Auf die Frage nach einem Leitbild für seine Amtszeit nannte Chalupka den Römerbrief, wo es in Kapitel 1, Vers 16 heißt: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben.“ Chalupkas Erläuterung dazu: „Wir können auch in einer säkularen Welt, in der es oft belächelt wird, religiös zu sein, stolz sein. Das Evangelium ist eine Kraft. Es geht um die Gerechtigkeit, die Gott schenkt - und die reformatorische Kraft.“

Am Reformationatag, dem 31. Oktober, gedenken evangelische Kirchen des überlieferten Thesenanschlags Martin Luthers im Jahr 1517. Luther soll seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg, mit denen er den Ablasshandel und andere Missstände in der katholischen Kirche anprangerte, genagelt haben. Und legte damit den Grundstein für die Reformation.
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Re: Medienticker - Religion(en) weltweit

Beitrag von Wilfried Apfalter » 4. November 2019, 10:21

Heute auf religion.orf.at: "Moskauer Patriarch bricht mit griechischem" (4.11.2019).
Der Streit um die Ukraine spaltet die orthodoxe Kirche weiter. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. strich am Sonntag den Namen des Oberhaupts der griechisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Hieronymos, aus seiner Gottesdienstliturgie in Moskau.

Zugleich beendete er laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax die eucharistische Gemeinschaft mit dem Bischof und untersagte Pilgerreisen in dessen Diözese Athen. Mit den Sanktionen reagiert Kyrill I. auf die Anerkennung der neuen eigenständigen orthodoxen Kirche der Ukraine durch Hieronymos.

Der entsprechende Brief des griechischen Kirchenoberhaupts an Metropolit Epiphanius, dem Kopf der ukrainischen Kirche, war am vergangenen Dienstag in Kiew veröffentlicht worden. Das Leitungsgremium der russisch-orthodoxen Kirche hatte Mitte Oktober beschlossen, dann die eucharistische Gemeinschaft einzustellen. Anders als beim Bruch der russisch-orthodoxen Kirche mit dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel 2018 gelten die Sanktionen aber nur für Hieronymos und seine Diözese, nicht jedoch für seine ganze Kirche.

Moskau sieht „Schisma“

Die russisch-orthodoxe Kirche sieht im südlichen Nachbarland die ihr unterstehende ukrainisch-orthodoxe Kirche bedroht. Die mit dieser konkurrierende, im Dezember 2018 gegründete eigenständige (autokephale) Kirche der Ukraine brandmarkt sie als „schismatisch“.

[...]

Schwere Strafe

Die Oberhäupter aller orthodoxen Landeskirchen erinnern in ihren Gottesdiensten traditionell an alle übrigen 14 Oberhäupter. Die Streichung eines Namens aus der Liturgie gilt als schwere Strafe.

Die neue ukrainische Kirche ist in der Weltorthodoxie isoliert. Nur das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel und die griechisch-orthodoxe Kirche erkennen sie bisher an, die übrigen orthodoxen Landeskirchen dagegen nicht. Hintergrund der Gründung der ukrainischen Kirche ist der Konflikt zwischen Kiew und Moskau um die ukrainische Halbinsel Krim und die Ostukraine.
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Re: Medienticker - Religion(en) weltweit

Beitrag von Wilfried Apfalter » 11. November 2019, 12:52

Heute auf religion.orf.at: "Skandale: Katholische Kirche in Indien in der Krise" (11.11.2019).
Mord, Vergewaltigung und Korruption erschüttern die römisch-katholische Kirche in Indien. Die Skandale schwächen ihre Position angesichts der Angriffe der regierenden Hindunationalisten auf Minderheiten.

Das berichtete die APA bezugnehmend auf einen Artikel der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA am Montag. Im neuesten Fall steht Bischof Kannikadass William Antony im Mittelpunkt: 37 Priester seiner Diözese Mysuru in Karnataka und das indische Laiennetzwerk „Besorgte Katholiken“ werfen dem Bischof unter anderem finanzielle Unregelmäßigkeiten, Korruption und sexuelles Fehlverhalten vor. In einem Brief haben sie Papst Franziskus um Entlassung des Bischofs gebeten. Der Fall reiht sich ein in eine Kette von Verfehlungen.

Mit der Verlesung der Anklageschrift begann etwa am Montag in Kerala der Vergewaltigungsprozess gegen Franco Mulakkal. Der Bischof von Jalandhar im Punjab soll zwischen 2014 und 2016 im Kloster Kuravilangad in Kerala eine Ordensfrau wiederholt vergewaltigt zu haben. Dem 55-Jährigen, für dessen Diözese Jalandhar der Papst im September 2018 einen Übergangsleiter ernannt hat, droht eine lebenslange Haftstrafe. Er bestreitet die Taten.

Opfer unter massivem Druck

Die Ordensfrau hatte sich zu einer Anzeige bei der Polizei entschlossen, nachdem ihre Briefe mit Vorwürfen gegen Mulakkal an die Bischofskonferenz und den Apostolischen Nuntius in Indien ohne Konsequenzen blieben. Fünf Mitschwestern sehen sich laut Medienberichten wegen öffentlicher Solidaritätsbekundungen für das mutmaßliche Opfer unter massivem Druck seitens der Kirche und ihres Ordens.

Im Fall von Kardinal George Alencherry hat der Vatikan den Hilfeschrei von 450 Priestern und Laien aus dessen Erzdiözese Ernakulam gehört: Für sie ist Alencherry der Hauptschuldige in einem Immobilienskandal, durch den die Kirche umgerechnet rund neun Millionen Euro verloren hat. Der Vatikan hat inzwischen den Beschluss der Synode der mit Rom unierten syro-malabarischen Kirche von Kerala zur Trennung von Kirchenführung und Diözesanverwaltung gebilligt.

Drei Priester unter Mordverdacht

Hinzu kommt der Mord an dem Rektor des St Peter’s Pontifical Seminary in Bengaluru in Karnataka, den drei Priester und drei katholische Laien begangen haben sollen. „Kerala und Karnataka sind nicht die einzigen Unionsstaaten mit Kirchenskandalen“, sagte Virginia Saldanah, eine der prominentesten katholischen Theologinnen des Landes, im Gespräch mit der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

[...]

Stimmung gegen Christen

Die Kirchenskandale spielen den herrschenden Hindunationalisten von Premierminister Narendra Modi in die Hände, die Stimmung gegen Christen machen. Den Schwestern des Mutter-Teresa-Ordens werfen sie etwa Kinderhandel vor. Dayal befürchtet, die Kirche stehe auf verlorenem Posten, wenn sie sich weiterhin als unfähig erweise, auf solche Anschuldigungen zu reagieren - und mit den Skandalen in den eigenen Reihen offen umzugehen. „Nach meiner Meinung hat Transparenz, auch wenn sie zunächst wehtut, eine große Heilungskraft.“

Bisher wurden Skandale von der Hierarchie unter der Decke gehalten. „Durch die modernen Kommunikationstechnologien werden aber solche Dinge heute öffentlich“, so Theologin Saldanah. „Die Kirche kann sich nicht mehr wie bisher hinter ihrer Geisteshaltung verstecken: ‚Wir haben recht, weil wir eine moralische Macht sind‘.“ Durch diese Haltung zweifelten die Menschen zunehmend an der Glaubwürdigkeit und moralischen Führungsfähigkeit der Kirche. Sie selbst frage sich, ebenso wie viele andere in ihrer Heimat-Erzdiözese Mumbai, angesichts des Verhaltens vieler Priester und Bischöfe: „Glauben die noch an denselben Gott wie ich?“
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Re: Medienticker - Religion(en) weltweit

Beitrag von Wilfried Apfalter » 12. November 2019, 23:06

Heute auf religion.orf.at: "Philippinen: Evangelische Kirchen auf Terrorliste" (12.11.2019).
Die Einstufung des protestantischen Nationalen Kirchenrates der Philippinen als „kommunistische Terrorgruppe“ durch die dortige Armee sorgt auch international für Empörung.

Der Weltkirchenrat (ÖRK) zeigte sich „alarmiert und zutiefst besorgt“ über die Brandmarkung regierungskritischer Organisationen. Im Kontext der aktuellen philippinischen Politik gebe sie „Grünes Licht für Schikanen und tödliche Angriffe durch Sicherheitskräfte und Milizen“, erklärte Generalsekretär Olav Fykse Tveit.

Insgesamt umfasst die dem Parlament vergangene Woche vorgelegte Liste vorgeblicher kommunistischer Terrorgruppen neben dem protestantischen Dachverband 17 weitere Gruppen. Dazu gehören etwa die internationale Hilfsorganisation Oxfam und die philippinische Frauenpartei GABRIELA.
Vorgehen „bösartig“

Fykse Tveit fügte hinzu: „Der Nationale Kirchenrat der Philippinen hat sich klar gegen den ‚Anti-Drogen-Krieg‘ von Präsident Rodrigo Duterte ausgesprochen, der durch außergerichtliche Tötungen von mutmaßlichen Drogenhändlern und -konsumenten durch die Sicherheitskräfte gekennzeichnet ist und in dem Täter fast volle Straflosigkeit genießen.“

[...]

Bereits im Frühjahr 2018 hat die Regierung Duterte begonnen, Hilfsorganisationen, Menschenrechtsgruppen, politische Opposition und Kirchen als vermeintlich staatsfeindlich zu brandmarken. Mehrere katholische Bischöfe stehen derzeit wegen Volksverhetzung und Mitgliedschaft in einem angeblichen Komplott zum Sturz der Regierung vor Gericht.
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Re: Medienticker - Religion(en) weltweit

Beitrag von Wilfried Apfalter » 12. November 2019, 23:13

Heute auf religion.orf.at: "D: Evangelische Kirche gegen Zahlungen bei Missbrauch" (12.11.2019).
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will keine pauschalen Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer leisten, sondern andere Maßnahmen setzen und auch Geld in die Prävention investieren. Den Betroffenen gehen die Schritte der Kirche nicht weit genug.

„Entschädigung ist genau nicht, was wir als Institution leisten können“, sagte das Mitglied des EKD-Beauftragtenrates, Nikolaus Blum, am Dienstag zum Auftakt der Synode der EKD. Konkrete Maßnahmen für Missbrauchsopfer wurden bei dieser Versammlung allerdings sehr wohl beschlossen, unter anderem die Einrichtung eines Betroffenenbeirates.

Debatte über Beweisbarkeit vermeiden

Zur Frage der Entschädigungen meinte Blum: „Welche Institution könnte allen Ernstes entschädigen, was ein Täter jemandem an Leid angetan hat?“ Die Forderungen nach Zahlungen in unterschiedlichem Umfang führten zwangsläufig zu Auseinandersetzungen über die Beweisbarkeit von Sachverhalten und damit zu den Verfahren, die Betroffene lange Zeit stark belasten und retraumatisieren würden.

„Wir wollen der Forderung nach individueller Aufarbeitung nachkommen und sie mit einem professionellen Anerkennungs- und Unterstützungssystem für und mit den Betroffenen verbinden, das auch nach Verjährung und ohne strenge Nachweispflichten seine Wirksamkeit entfaltet“, erklärte Blum.

Anerkennungs- und Unterstützungssystem

Das von der EKD präferierte Modell setze darauf, sich gemeinsam mit den betroffenen Menschen oder ihren Anwälten darüber zu verständigen, was ihr Leid lindert und ihnen für die Zukunft neue Möglichkeiten eröffnet. „Es geht auch darum, sich als Institution auseinanderzusetzen, ins Gespräch zu gehen“, sagte Blum. „Dass dies so behutsam, unbürokratisch und schonend wie möglich geschehen muss, ist selbstverständlich.“ In diesem Sinne setze sich der Beauftragtenrat für die Weiterentwicklung des kirchlichen Anerkennungs- und Unterstützungssystems ein.

Die für die Missbrauchsaufarbeitung zuständige Hambuger Bischöfin Kirsten Fehrs kündigte bei der Synode die Einrichtung eines Betroffenenbeirates zur Missbrauchs-Aufarbeitung an. Das Konzept dazu sei vom Rat der EKD im September beschlossen worden. Der Beirat solle als kritisches Gegenüber zur EKD die Betroffenenperspektive in den Aufarbeitungsprozess einbringen und eigene Positionen formulieren. „Ab sofort ist es Betroffenen aus dem Bereich der evangelischen Kirche und der Diakonie möglich, sich für diesen Beirat zu bewerben“, erklärte Fehrs. Gesucht würden zwölf Personen für die Dauer einer Amtszeit von vier Jahren.

Gewaltsschutzrichtlinie im Herbst erlassen

Fehrs berichtete, dass der EKD-Rat im Oktober überdies eine Gewaltschutzrichtlinie erlassen habe, die weiter gehe als das Strafrecht. „Es wird klargestellt: Immer dann, wenn Kinder involviert sind, gibt es keinen Ermessensspielraum. Sexuell bestimmtes Verhalten bei Kindern ist immer und ohne Ausnahme sexualisierte Gewalt“, sagte die Bischöfin.

[...]

770 Opfer ermittelt

Ein Jahr nach dem Start der strukturierten Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) inzwischen rund 770 Opfer ermittelt. Viele der Betroffenen seien Heimkinder in diakonischen Einrichtungen gewesen, Übergriffe gab es aber auch in Kirchengemeinden, sagte Bischöfin Fehrs.

Um die Beteiligung der Opfer an der Aufarbeitung auszubauen, werde die Kirche einen Betroffenenbeirat einrichten. Die für Prävention und Aufarbeitung für 2020 bereits eingeplanten Mittel von 1,3 Millionen Euro stocke die EKD um eine Million Euro auf, kündigte Fehrs an.
Entschädigungen gefordert

Den Opfern gingen die Schritte der Kirche nicht weit genug, sagte Kerstin Claus als Sprecherin für die Betroffenen. Die evangelische Kirche habe lange gezögert, ehe sie die Missbrauchsproblematik erst 2018 offensiv angegangen habe. Nun müsse die Kirche die Bedürfnisse der Betroffenen in den Mittelpunkt rücken, es sei eine transparente Entschädigungsregelung nötig. Wie Claus sagte, gehe es nicht darum, dass die Kirche sich freikaufe. Nötig sei ein lebenslanges Bemühen, den Opfern gerecht zu werden.
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Beitrag von Wilfried Apfalter » 15. November 2019, 23:17

Heute auf religion.orf.at: "Kirche begeht „Welttag der Armen“" (15.11.2019).
Die römisch-katholische Kirche begeht auf Anregung von Papst Franziskus am Sonntag zum dritten Mal den „Welttag der Armen“. Er soll konkrete Zeichen der Nächstenliebe und Impulse zur Bekämpfung von Armut geben.

In Pfarren und Diözesen, kirchlichen Gemeinschaften und sozialen Organisationen gibt es jeweils am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres Initiativen dazu, heuer unter dem biblischen Motto „Der Elenden Hoffnung ist nicht für immer verloren“. In Österreich fällt der Welttag mit dem „Elisabethsonntag“ der Caritas zusammen, an dem die in allen Pfarren durchgeführte Spendensammlung für Bedürftige bereits lange Tradition hat.

[...]

Papst: „Stehenbleiben und zuhören“

In seiner Botschaft zum diesjährigen „Welttag der Armen“ nimmt Papst Franziskus Christen in die Pflicht, Menschen am Rand der Gesellschaft zu helfen, ihnen wieder Hoffnung zu geben und eine andere Gesellschaft voranzutreiben. Dazu bedürfe es nicht nur Hilfsaktionen, reiche doch manchmal schon viel weniger: „Stehenzubleiben, zu lächeln, zuzuhören“, so der Papst.

Arme sollten gesehen werden als „junge und alte Menschen, die allein sind, und die man nach Hause einlädt, um gemeinsam mit ihnen zu essen; Männer, Frauen und Kinder, die auf ein freundliches Wort warten.“ Die Realität sei leider oft eine andere: Arme und Ausgegrenzte würden oft „mit Phrasen abgespeist und nur widerwillig unterstützt“, vielfach sogar „als Parasiten oder Abfall behandelt, ohne dass die Mittäter dieses Skandals dabei irgendein Schuldgefühl empfinden“, kritisiert der Papst. Oft werde den Armen „nicht einmal ihre Armut verziehen“.

Verantworten vor göttlichem Gericht

Den Verantwortlichen redet der Papst ins Gewissen und bezeichnet die derzeitige Wirtschaftspolitik, bei der sich eine Minderheit auf Kosten vieler anderer bereichere, als „kurzsichtig“. Migranten würden vielerorts für politische Zwecke instrumentalisiert und man verweigere ihnen „Solidarität und Gleichbehandlung“.

Franziskus wörtlich: „Man kann viele Mauern bauen und die Eingänge verbarrikadieren, um sich auf trügerische Weise im eigenen Reichtum sicher zu fühlen, zum Nachteil derer, die man außen vorlässt.“ Das werde jedoch nicht für immer so sein: Jeder müsse sich am Ende vor dem göttlichen Gericht für sein Handeln verantworten.
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Re: Medienticker - Religion(en) weltweit

Beitrag von Wilfried Apfalter » 18. November 2019, 10:07

Heute auf religion.orf.at: "D: Erzbischof gegen Entschädigungen aus Kirchensteuer" (18.11.2019).
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat sich gegen die Verwendung von Kirchensteuermitteln für Entschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer ausgesprochen.

„Ich bin der Auffassung, dass wir nicht die Kirchensteuer einbeziehen sollten“, sagte Schick am Samstag in Bamberg vor der Herbstvollversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. Dies sei auch gar nicht so einfach, da er als Bischof ohne Zustimmung des Diözesansteuerausschusses nicht über diese Mittel verfügen könne. Die Entschädigungen müssten aus anderen Geldern geleistet werden.

Diskussion über die Verwendung von Kirchensteuer

Damit reagierte Schick auf die kirchliche Debatte über Modalitäten und Höhe von Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer von Geistlichen. Zuletzt hatte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, betont, zur Finanzierung müssten auch Kirchensteuermittel eingesetzt werden. Die Kirchenmitglieder seien als Solidargemeinschaft in der Pflicht.

[...]

Klare Regelung in Österreich

In Österreich werden laut Angaben des Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn keine Mittel aus dem Kirchenbeitrag für Zahlungen an Missbrauchsopfer aufgewendet.

Im Februar hatte Schönborn in einem Resümee-Interview zum vatikanischen Kinderschutz-Gipfel mit „Kathpress“ unterstrichen, dass von den bis dato geleisteten Zahlungen von rund 27 Millionen Euro für Missbrauchsbetroffene „kein Cent aus dem Kirchenbeitrag“ verwendet worden sei. In der Erzdiözese Wien habe man beispielsweise durch einen Liegenschaftsverkauf die Hilfszahlungen finanziert.
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Re: Medienticker - Religion(en) weltweit

Beitrag von Wilfried Apfalter » 26. November 2019, 11:47

Gestern im Humanistischen Pressedienst (hpd): "Österreichische Spaghettimonsterkirche zieht vor Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte" (26.11.2019).
Da der österreichischen Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters die Anerkennung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft versagt blieb, zog sie nun vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Die Beschwerde wurde vergangenen Freitag fristgerecht in Straßburg eingereicht.

[...]

In ihrer Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, die dem hpd vorliegt, beruft sich die KdFSM auf Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention und macht das Recht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit geltend. "Diese Rechte werden durch die Verweigerung der Erlangung der Rechtspersönlichkeit verletzt", heißt es in der Beschwerde.

Die Nicht-Anerkennung der spezifischen Art, den pastafarianischen Glauben zu leben, wird darüber hinaus als Eingriff in die Glaubensfreiheit gewertet, da "ein regelmäßiger Gottesdienst in den Glaubensgrundsätzen der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters schlicht nicht vorgesehen ist".

Rechtsanwalt Wolfgang Renzl, der die österreichische KdFSM seit Beginn des Verfahrens vertritt, erklärt hierzu: "Die Behörde geht – in einem von einer christlichen Kultur geprägten Rechtsverständnis – davon aus, dass eine religiöse Bekenntnisgemeinschaft nur dann vorliegt, wenn sich die Gläubigen regelmäßig treffen und gemeinsame Gottesdienste abhalten. Durch dieses 'christliche' Rechtsverständnis wird in die Religions- und Vereinigungsfreiheit aller gläubigen Pastafaris eingegriffen."

[...]
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