Medienticker - Religion(en) in Österreich

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Wilfried Apfalter
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 26. September 2019, 23:46

Heute auf religion.orf.at: "Karfreitag: Kirchen schalten VfGH ein" (26.9.2019).
Die evangelischen Kirchen (A.B, H.B und A.u.H.B.), die evangelisch-methodistische und die altkatholische Kirche in Österreich fechten die Streichung des Karfreitags als Feiertag beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) an.

Nachdem der Karfreitag als gesetzlicher Feiertag für die reformierten Kirchen sowie die altkatholische Kirche gekippt wurde, gilt ein „persönlicher Feiertag“, der allerdings aus dem bestehenden Urlaubskontingent zu nehmen ist. Durch diese neue Regelung werde „massiv und unmittelbar“ in das verfassungsgesetzlich gewährleistete Recht auf Religionsfreiheit eingegriffen, kritisierte der evangelische Synodenpräsident und Rechtsanwalt Peter Krömer am Donnerstag in einer Aussendung.

Er hat den Individualantrag auf Gesetzesprüfung gemeinsam mit weiteren Experten ausgearbeitet und am Donnerstag beim Verfassungsgerichtshof eingebracht. Bei der neuen Regelung orten Krömer und die einbezogenen Experten „Verfassungswidrigkeit in mehreren Punkten“.

[…]

Vorwurf der Grundrechtsverletzung

Verletzt werde, so Krömer, nicht nur das Recht auf gemeinsame Religionsausübung, sondern auch das auf dem Gleichheitsgrundsatz fußende Verbot gegen Diskriminierung und die Grundsatzbestimmung über den religiösen Minderheitenschutz. Krömer: „Rechte, die durch die Verfassung geschützt sind, und Grundrechte von Minderheiten sind hier unter die Räder gekommen.“

Die Abschaffung des Karfreitags sei zugleich auch ein „massiver Eingriff“ in die innerkirchliche Sphäre der betroffenen, gesetzlich anerkannten Kirchen, „somit in deren Religionsfreiheit“, insbesondere was die Kultusfreiheit, die gemeinsame öffentliche Ausübung der Religion, und das Glaubensleben betrifft, erklärt der Synodenpräsident.

[…]

Evangelische beklagen Schlechterstellung

Auch auf dem Hintergrund des Gleichheitsgrundsatzes bemängelt der Jurist in der geltenden Regelung eine Schlechterstellung bei der Ausübung der Kultusfreiheit gegenüber Angehörigen der römisch-katholischen Kirche.

Denn deren Angehörigen wurde durch die neue Regelung kein gesetzlicher Feiertag genommen, der persönlicher Feiertag stehe allen zu, zudem seien alle religiösen Feiertage auch gesetzliche Feiertage. Krömer: „Evangelische müssen sich so für die Ausübung ihrer Religion einen Urlaubstag nehmen, Katholische nicht.“

[…]
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Wilfried Apfalter
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 3. Oktober 2019, 10:01

Heute auf religion.orf.at: "„Klosterwald“: Naturbestattung unter Bäumen" (3.10.2019).
Freie Natur statt Friedhof: Dem Trend zu alternativen Bestattungsformen kommt ab Oktober das Projekt „Klosterwald“ der katholischen Kirche entgegen.

Viele Menschen denken heute über alternative Bestattungsformen nach. Einer „langen Tradition“ der Klöster folgend, Grund und Boden für die Bestattung von Toten zur Verfügung zu stellen, wolle „Klosterwald“ zeitgemäß folgen, so eine Aussendung zum Projekt. Es wird naturnahe Bestattung auf klösterlichen Waldflächen ermöglichen.

„Klosterwald“ ist ein Gemeinschaftsunternehmen mehrerer Stifte, Gründungsmitglieder sind Heiligenkreuz und Klosterneuburg, und die Erzdiözese Wien. Geschäftsführer Axel Baudach entwickelte die Idee dazu bereits vor 20 Jahren in Deutschland und hilft nun beim Aufbau in Österreich, wie er religion.ORF.at gegenüber sagte. Es ist das erste konfessionelle Naturbestattungsprojekt dieser Art in Österreich.

Biologisch abbaubare Urnen

Am Donnerstag eröffnet „Klosterwald“ seine erste Waldfläche für Naturbestattungen in Kirchberg am Wechsel (NÖ). Weitere Flächen im Umkreis von Wien werden in den kommenden Monaten eröffnet. Angeboten werden Bestattungen in biologisch abbaubaren Urnen „in naturbelassenen und doch gepflegten Waldflächen“.

Das Projekt richte sich an Menschen, „die sich selber oder ihre Toten nicht auf dem Friedhof bestattet wissen möchten. Oder an Menschen, die schon zu Lebzeiten einen Platz in der Natur auswählen möchten, um später niemanden mit der Grabpflege zu belasten“, so „Klosterwald“-Geschäftsführer Baudach. Denn diese Pflege übernimmt die Natur des Waldes selbst: Nach der Einäscherung wird die biologisch abbaubare Urne mit der Asche des oder der Verstorbenen an den Wurzeln eines Bestattungsbaumes beigesetzt.

[...]

Gedenktafeln zur Erinnerung

Jedes Grab könne ein Ort des Gedenkens und des Gebetes sein, egal ob Verstorbene in einem Sarg, einer Urne, auf dem Friedhof oder im Wald begraben werden. In jedem „Klosterwald“ gibt es für diese Kontemplation einen Andachtsplatz mit Bänken. Gedenktafeln sorgen dafür, dass Angehörige den genauen Platz wiederfinden und am richtigen Ort ihrer Verstorbenen gedenken können. Dabei hilft auch eine Klosterwaldkarte, auf der jeder Baum verzeichnet ist. Den richtigen Baum kann man sich zu Lebzeiten selbst aussuchen.

Der Klosterwald steht übrigens allen offen, ungeachtet der Religionszugehörigkeit. Die Beerdigung selbst im engen Familien- und Freundeskreis kann (muss aber nicht) von einem Priester begleitet werden. Die Familie kann sich frei für ihr persönliches Abschiedsritual und eine Begleitung durch ihre Religionsgemeinschaft entscheiden. Die biologisch abbaubare Urne werde meist von einem oder einer Familienangehörigen zum Baum getragen, so „Klosterwald“.

Auch der Wald profitiert

Ein Nebeneffekt: Von den Naturbestattungen profitiert auch der Wald selbst, denn er wird damit unter Schutz gestellt - langfristig. Bäume würden nicht zu kommerziellen Zwecken gefällt, sondern nur dann entnommen, „wenn durch einen Sturm oder andere natürliche Entwicklungen Gefahr für die Waldbesucher“ drohe, so Projektleiter Baudach.

[...]

Die Kosten für ein Waldgrab variieren zwischen 500 und 4.000 Euro, je nach Dauer der Nutzung, die zwischen 25 und 100 Jahren möglich ist. Behördengänge, Kremation, Urne und anderes müssen extra abgewickelt werden. Ab November wird die Baumbestattung zusätzlich zum Kirchberger Klosterwald auch am Kahlenberg möglich sein. Im Frühjahr 2020 kommt ein Wald in der Nähe des Stiftes Heiligenkreuz hinzu. Weitere Klosterwälder sind bei Harmannsdorf und Hagenbrunn geplant.
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 7. Oktober 2019, 15:44

Heute auf religion.orf.at: "Jugendstudie: Religion „nahezu irrelevant“" (7.10.2019).
Eine „absolute Renaissance“ unter Jugendlichen erlebt die Familie: Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Jugendkulturforschung im Blick auf die von ihm durchgeführte „Österreichische Jugendwertestudie 2019“. Beim Thema Religion sieht es anders aus.

Für 76 Prozent der 1.000 im September befragten 16- und 29-Jährigen ist Familie der wichtigste Lebensbereich, gefolgt von Freunden und Bekannten (71 Prozent). Religion (13 Prozent) und Politik (13,5 Prozent) erachtet das Studienteam um den Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier als „nahezu irrelevant“.

In seiner Aussendung über die Studie nahm das Institut am Montag dazu folgende Einschränkung beziehungsweise Präzisierung vor: Für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist Religion deutlich wichtiger (26 Prozent „sehr wichtig“) als für autochthone Österreicherinnen und Österreicher (nur neun Prozent „sehr wichtig“), für weitere 20 Prozent der Migrantinnen und Migranten ist Religion „wichtig“.

Areligiosität wird weitergegeben

Kirche als gesellschaftlicher Faktor sei auch in der nächsten Generation in der Krise, erklärte Heinzlmaier der „Kleinen Zeitung“ (Montag-Ausgabe): „Offensichtlich geben bereits areligiöse Elternhäuser diese Einstellung an die nächste Generation weiter.“ Zu den Gewinnern unter den Institutionen zählt die Zeitung unter Berufung auf Vertrauensrankings die Polizei, die Gerichte und das Bundesheer.

Haltung zur Politik „alarmierend“

„Alarmierend“ nannte das Institut für Jugendkulturforschung in seiner Zusammenfassung die Haltung der jungen Österreicher zur Politik. Der Aussage „Die meisten Politiker haben keine Ahnung, wie es den meisten Menschen geht“, könnten mehr als vier von fünf Befragten zustimmen. Die Politik hat somit - wie bereits bei der älteren Generation - auch bei den Jungen ein massives Imageproblem.

[...]

Bildmedien über Textmedien

Bei der Verwendung Sozialer Medien zeigte sich laut dem Jugendforscher: „Bildmedien mit präsentativer Symbolik“ triumphieren über diskursive Textmedien. Emotionen würden immer wichtiger, Argumente und inhaltliche Tiefe träten demgegenüber in den Hintergrund. Bestes Beispiel ist laut Heinzlmaier „das Phänomen Greta Thunberg. Es ist das starke Bild des zornigen Mädchens mit Tränen vor der UNO, das die Emotion bedient und die Massen erreicht.“ Dieses Bild verbreite sich rasant, längere Textpostings lese hingegen keiner mehr.

Bilddominierte Medien wie Instagram (75 Prozent Nutzung) und Snapchat (62 Prozent) haben solche wie Facebook an Bedeutung überflügelt; nur 27 Prozent der Befragten gaben an, Facebook oft zu nutzen. Der ORF und Zeitungen als einstige Leitmedien stecken laut der Studie ebenfalls in einer Krise.

[...]
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 8. Oktober 2019, 09:36

Heute auf religion.orf.at: "Wien: UNO-Koalition religiöser Organisationen" (8.10.2019).
Eine UNO-Koalition religiöser Organisationen hat sich am Montag am Sitz der UNO-Organisationen in Wien konstituiert. Religionen müssten „als Teil der Lösung vieler Konflikte“ gesehen werden, lautete der Tenor einer Podiumsdiskussion am Montagabend.

Darin forderten Vertreter christlicher, jüdischer und muslimischer Gemeinschaften, die Religionen künftig in Konfliktlösungen einzubinden. In der Debatte über „Spiritualität und Justiz - Kooperationsfelder?“ betonten die Referenten die Bedeutung des Dialogs und verwiesen auf den engen Kontext zwischen Spiritualität bzw. Religion und Recht.

[...]

John Clark von der Jüdischen Liberalen Gemeinde in Wien (Reformsynagoge) legte ein Plädoyer für den Dialog ab. „Aus der Vielfalt beziehen wir Stärke. Zusammenhalt gibt Kraft.“ Die einzelnen Gemeinschaften sollten ihre Individualität behalten, doch zugleich miteinander einen Dialog führen, so Clark, der anstelle des Rabbiners Schlomo Hofmeister auf dem Podium einen jüdischen Standpunkt darlegte.

„Keine Alternative zum Dialog“

Die Bedeutung des Dialogs hob auch der Präsident der Buddhistischen Religionsgesellschaft, Gerhard Weissgrab, hervor. Er rief zum Miteinander auf: „Bei Problemen gibt es keine Alternative zum Dialog.“ Dass mehrere Religionen existieren und diese unterschiedliche Bereiche und Aspekte aufweisen, sei zu akzeptieren. Zur Religionsfreiheit gehöre auch der Atheismus, also die Freiheit von Religion.

[...]

[...] Zeitgleich mit der Tagung in Wien fand eine weitere am Sitz der Vereinten Nationen in New York statt. Die Initiatoren der Plattform hoffen, dass ihre Anliegen in die im April 2020 geplante UNO-Konferenz zum Thema Strafrecht in Kyoto einfließen. Es geht hierbei um Behandlung von Gefangenen, Achtung der Menschenwürde auch religiöser Gefangener und Toleranz für unterschiedliche Religionsbekenntnisse.
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 11. Oktober 2019, 12:42

Heute auf religion.orf.at: "Van der Bellen besuchte jüdischen Stadttempel" (11.10.2019).
Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat nach dem tödlichen Angriff auf die Synagoge in der deutschen Stadt Halle dem jüdischen Stadttempel in Wien einen Besuch abgestattet.

Er wurde am Freitag vom Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Oskar Deutsch, begrüßt und legte in der Gebetsstätte ein Gesteck mit weißen Rosen nieder. „Antisemitismus ist einfach blöd“, sagte Van der Bellen im Anschluss an den Besuch vor Journalisten.

Er führe zu Anschlägen wie jenen im deutschen Halle. Der Bundespräsident wies darauf hin, dass „in einzelnen Ländern der Rechtsextremismus zugenommen“ habe. Zur Situation in Österreich sagte er: „Es wird wohl einen harten Kern von Antisemiten geben.“ Auf jeden Fall sei jeder Einzelne im Kampf gegen den Judenhass gefordert.

Deutsch: Drei Gruppen von Antisemiten

IKG-Präsident Deutsch zählte konkret drei Gruppen auf, die „Antisemitismus zu uns hereintragen“: nämlich rechte, linke und islamistische Antisemiten. „Wenn man das addiert, ist der Antisemitismus gestiegen.“ Diese Situation bestehe allerdings nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa und Amerika.

Deutsch fordert eine bessere Bildung, um dem Hass und den Vorurteilen gegenüber Juden zu begegnen. So müsse jeder einzelne Schüler in seiner Schulzeit ein Konzentrationslager wie Mauthausen besucht haben. Er forderte zudem erneut eine ähnliche „Shoaerziehung“ für Flüchtlinge, die nach Österreich kommen. Diese müsse man etwa durch Vorträge aufklären. Deutsch hielt fest: „Niemand wird als Antisemit geboren.“

EuGH-Urteil begrüßt

Bezüglich der „sofortigen Eindämmung“ antisemitischer Äußerungen begrüßte Deutsch das kürzlich erfolgte Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) über das Löschen von sinngleichen Hasspostings auf Facebook. „Wenn das gelebt wird, ist ein guter Schritt getan.“

[...]
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 13. Oktober 2019, 19:09

Heute auf religion.orf.at: "Neuer evangelischer Bischof Michael Chalupka in sein Amt eingeführt" (13.10.2019).
Mit einem Festgottesdienst in der Wiener Gustav-Adolf-Kirche ist der neue evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka am Sonntag in sein Amt eingeführt worden.

In seiner Predigt ging er auf den Kampf gegen den Klimawandel und den Beitrag der Kirchen ein. Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigte Chalupkas Schlagfertigkeit und Witz. „Das trifft man nicht so häufig bei Bischöfen.“

[...]

Bundespräsident und Bundeskanzlerin vor Ort

Die Amtseinführung nahm Chalupkas Vorgänger, Michael Bünker vor, der im September in den Ruhestand getreten war. Grußworte an den neuen Bischof richteten neben dem Bundespräsidenten auch Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein. Der 59-jährige Chalupka war im Mai von den Delegierten der Synode in das höchste Leitungsamt der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich gewählt worden.

Van der Bellen, selbst erst kürzlich wieder in die Evangelische Kirche eingetreten, hob das verbindende Moment hervor, das Chalupka selbst nach seiner Wahl zum Bischof betont hatte. Er habe Chalupka als einen Menschen erlebt, der „klar, mutig und unmissverständlich für die Würde jedes einzelnen Menschen eintritt und dem ein geschwisterliches Miteinander wichtig ist“, sagte der Bundespräsident.

Auch Bierlein nahm auf den Klimawandel Bezug: „Den Kirchen ist die Bewahrung der Schöpfung ein besonderer Auftrag und Kern der Identität.“ Daneben verwies sie auch auf die Freiheit der Religionsausübung. Diese gehöre zu den unverzichtbaren Grundrechten eines freien und säkularen Verfassungsstaates.
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 15. Oktober 2019, 14:39

Heute auf religion.orf.at: "Diakone für verheiratete Priester und Diakoninnen" (15.10.2019).
Die in Österreich wirkenden ständigen Diakone sprechen sich für verheiratete Priester und Frauen als Diakoninnen aus. Sie feierten ihr 50-Jahr-Jubiläum mit einem entsprechenden Manifest.

In einem Manifest, das bei der Diakonentagung am Wochenende in Wiener Neustadt verabschiedet wurde, heißt es wörtlich: „Auf dem Hintergrund unserer 50-jährigen Erfahrung als berufstätige und verheiratete Männer rufen wir die Österreichische Bischofskonferenz auf, eine Veränderung der Zulassungsbedingungen zu den Ämtern der Kirche zu prüfen und dafür erste Schritte zu setzen.“

Die Wege zum Weihepriestertum sollten nicht nur auf Männer in zölibatärer Lebensform begrenzt sein, sondern auch für verheiratete Männer geöffnet werden, „die in einem Zivilberuf tätig sind und sich im zweiten Bildungsweg auf dieses Amt vorbereiten“.

Diakone keine „Ersatzpriester“

Die Diakone begründen diese Forderung vor allem auch mit der Sorge um ihre eigene Identität. Denn: Der auch in Österreich schmerzlich spürbare Priestermangel habe Auswirkungen auf die Diakone, die zunehmend priesterliche Dienste übernehmen müssten und von den Gemeinden zunehmend als „Ersatzpriester“ empfunden würden und auch entsprechend eingesetzt seien.

[...]

Diakonat für Frauen öffnen

Die Diakone erinnern in dem Schreiben daran, dass am Beginn der Wiedereinführung des ständigen Diakonats durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) der „Mut zum Experiment“ gestanden sei sowie das Vertrauen, dass das Weihesakrament der Not der Zeit entsprechend geöffnet werden müsse, wenn die sakramentale und pastorale Versorgung des Volkes Gottes nicht mehr gegeben ist.

Im Manifest wird zudem festgehalten, dass der Dienst der Diakone wesentlich von den Ehefrauen bzw. den Familien der Diakone mitgetragen und so auch „in neuer Form in der Kirche fruchtbar wird“. Und weiter: „Die sakramentale Bestärkung des im wahrsten Sinne des Wortes diakonalen Dienstes von Frauen in vielfältigen pastoralen Bereichen durch den Zugang zum Amt der Diakonin wäre somit ein deutliches Zeichen der Wertschätzung der Frauen in der Kirche“.

Wenn die Kirche nach dem Vorbild Jesu eine dienstbereite Gemeinschaft von Menschen sein und bleiben will, dürfe sie nicht die Hälfte der Menschen nur wegen ihres Geschlechts von diesem „lebenswichtigen Amt“ der Kirche ausschließen. „Wir ständigen Diakone in Österreich sind davon überzeugt, dass diese Öffnung des ständigen Diakonats für Frauen eine nicht länger aufschiebbare Notwendigkeit ist.“

750 ständige Diakone in Österreich

In Österreich gibt es derzeit rund 750 ständige Diakone, Tendenz steigend. Weltweit sind es rund 48.000. Das Diakonat war vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) als eigene und beständige hierarchische Stufe - wie es schon in der frühen Kirche üblich war - wiederhergestellt worden. Seit 1968 können auch verheiratete Männer in der katholischen Kirche zu „ständigen Diakonen“ geweiht werden, in Österreich wurde der erste 1969 geweiht. Die ständigen Diakone in Österreich feiern deshalb heuer ihr 50-Jahr-Jubiläum.

Die Jubiläumstagung fand am Wochenende in der Militärakademie in Wiener Neustadt statt. Gastgeber war die Militärdiözese. Mehr als 150 ständige Diakone und ihre Frauen waren gekommen. Eröffnet wurde die Tagung von Militärbischof Werner Freistetter, der den Dienst der Diakone als „Friedensdienst“ bezeichnete. „Der Dienst des Diakons ist ein Friedensdienst in tiefstem Sinne und die Grundgestalt des christlichen Auftrags auf dem alle anderen Dienste aufgebaut sind“, so der Bischof wörtlich.

[...]

Verheiratet und ehrenamtlich tätig

Die ständigen Diakone sind in der Liturgie, der Verkündigung und im karitativen Bereich tätig. Die meisten wirken ehrenamtlich in Pfarrgemeinden, etliche haben aber auch Aufgabenbereiche in der Krankenseelsorge, in der Altenpastoral, der Gefängnisseelsorge oder in Bildungshäusern übernommen. Rund 85 Prozent der ständigen Diakone in Österreich sind verheiratet, die anderen leben entweder zölibatär, sind verwitwet oder einige wenige auch geschieden bzw. leben von ihren Ehepartnerinnen getrennt.

Der überwiegende Großteil der Diakone übt den Dienst in der Kirche ehrenamtlich aus. Rund 40 Prozent gehen einem Zivilberuf nach, 42 Prozent sind bereits in Pension, 18 Prozent stehen in einem kirchlichen Dienstverhältnis, sind in der Regel aber auch über dieses hinaus noch weiter kirchlich tätig. Im Schnitt leistet ein Diakon 17,5 Stunden pro Woche ehrenamtlichen Dienst in der Kirche.

[...]

Höhepunkt der Jubiläumstagung war am Sonntag der Festakt „50 Jahre Diakonat" und ein Festgottesdienst in der Wiener Neustädter St. Georgskathedrale, dem die Bischöfe Werner Freistetter und Anton Leichtfried vorstanden. Weihbischof Leichtfried ist in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Diakone zuständig. Er rief sie in Wiener Neustadt auf, die Verkündigung des Friedens in ihrem Leben zu bezeugen und selbst zu Stiftern des Friedens im eigenen Herzen, zwischen den Menschen und in der Gesellschaft zu werden. Militärbischof Freistetter dankte in seiner Predigt den Diakonen und ihren Ehefrauen für ihr selbstloses Engagement bzw. ihren Dienst“.
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 17. Oktober 2019, 16:17

Heute auf religion.orf.at: "Ethikunterricht: 403 Lehrkräfte in Weiterbildung" (17.10.2019).
Die Weiterbildung der Lehrkräfte für den geplanten Ethikunterricht an Schulen ist bereits gestartet, 403 Pädagoginnen und Pädagogen nehmen daran teil.

Laut Plan der früheren ÖVP-FPÖ-Regierung sollten ab 2020/21 an den AHS-Oberstufen und Polytechnischen Schulen alle Schülerinnen und Schüler, die nicht in den Religionsunterricht gehen, verpflichtend das Fach Ethik besuchen. Im Bildungsministerium geht man davon aus, dass dieser Zeitplan auch halten wird.

Das Fach Ethik soll nur für jene Schülerinnen und Schüler verpflichtend sein, die nicht den Religionsunterricht besuchen - entweder weil sie keiner Konfession angehören oder sich vom konfessionellen Religionsunterricht abgemeldet haben.

Ethik bereits im Schulversuch

Derzeit wird Ethik in dieser Form an 211 AHS und BMHS (berufsbildenden mittleren und höheren Schulen) als Schulversuch angeboten. Nun soll der Schulversuch ins Regelschulwesen überführt werden, nach den AHS-Oberstufen und Polys soll das neue Pflichtfach 2021/22 auch an Berufsschulen und BMHS eingeführt werden.

Die notwendigen Gesetzesänderungen zur Einrichtung des neuen Unterrichtsfachs werden laut Bildungsministerium bereits vorbereitet und sollen „möglichst zeitnah“ erfolgen. Parallel dazu wird auch am Lehrplan, der auf einem Entwurf der Bundesarbeitsgemeinschaft der EthiklehrerInnen Österreichs basiert, weitergearbeitet. Nach einer Absegnung des neuen Fachs im Parlament könnte dann der Lehrplan in Begutachtung gehen und das Ressort sich mit den Schulbuchverlagen abstimmen.

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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 22. Oktober 2019, 10:07

Heute auf religion.orf.at: "Altkatholiken in Österreich: Schritt Richtung Ehe für alle" (22.10.2019).
Die Altkatholische Kirche Österreichs hat bei ihrer Ordentlichen Synode am Wochenende einen Schritt in Richtung Ehe für alle gesetzt. Segnungen von hetero- und homosexuellen Paaren sollen künftig in den Kirchenbüchern in dieselbe Rubrik eingetragen werden.

Schon seit 23 Jahren werden Partnerschaften von homosexuellen Paaren in der Altkatholischen Kirche in Österreich gesegnet, in den Kirchenbüchern wurde dies bisher in der Rubrik „Partnerschaftssegnung“ eingetragen. Für die Segnung traditioneller Ehen heterosexueller Paare gab es die Rubrik „Ehesegnung“.

Was jetzt auf der Synode mit Zweidrittelmehrheit beschlossen wurde: Die Zusammenführung dieser beiden Rubriken in eine gemeinsame, unter dem Titel „Lebensbund“, sagte Heinz Lederleitner, Bischof der altkatholischen Kirche in Österreich. „Das war uns deshalb wichtig, weil wir die Gleichwertigkeit der beiden Partnerschaftsformen, der traditionellen Ehe und der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft betonen und auf dieser administrativen Ebene zum Ausdruck bringen.“

Noch nicht Ehe für alle

Eine Öffnung der Altkatholiken für die Ehe für alle ist damit aber noch nicht vollzogen. Entscheidend sei dafür nämlich die Frage, ob die Ehe auch für homosexuelle Paare als Sakrament gesehen werden könne, so Bischof Lederleitner. Das sei eine theologische Frage, die wiederum nur im Verbund mit der Kirchenfamilie der Utrechter Union entschieden werden könne. Was aber noch fünf bis zehn Jahre dauern könnte, denn: „Da sind die Kirchen zum Teil mit unterschiedlicher Geschwindigkeit unterwegs, es gibt auch skeptische Kirchen.“

Auslöser für die jetzige Behandlung des Themas „Ehe für alle“ in der altkatholischen Kirche in Österreich ist die Tatsache, dass seit heuer am Standesamt die Ehe auch für homosexuelle Paare möglich ist. Da für die Altkatholiken die Ehe am Standesamt zentral ist und diese Verbindung in der Kirche dann nur mehr gesegnet wird, geriet die altkatholische Kirche gewissermaßen in Zugzwang zu überlegen, wie sie mit der Ehe für homosexuelle Paare kirchlicherseits umgeht.

Reformkirche seit 1871

Die altkatholische Kirche ist eine katholische Reformkirche, die den Papst nicht als unfehlbar ansieht. Nach eigenen Angaben setzt sie sich für die Wahrung der Menschenrechte und eine offene Gesellschaft ein. Sie ist seit 1877 in Österreich staatlich anerkannt.

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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 22. Oktober 2019, 11:06

Heute auf derStandard.at: "Kopftuchverbot in Schulen heißt auch Burkiniverbot bis zum Alter von zehn Jahren" (22.10.2019).
[...]

Wien – Das mit dem neuen Schuljahr in Kraft getretene Kopftuchverbot für Kinder unter zehn Jahren hat auch Auswirkungen auf den Turnunterricht. In einem neuen Rundschreiben des Bildungsministeriums zu Richtlinien für den Unterricht im Fach Bewegung und Sport werden konsequenterweise religiös geprägte Verhüllungen auch im Turnen untersagt, darunter fällt etwa der Burkini im Schwimmunterricht.

In dem Rundschreiben werden auch aufgrund gesetzlicher Änderungen durch das Bildungsreformgesetz beziehungsweise das Kopftuchverbot die organisatorischen Vorgaben für den Turnunterricht neu gefasst. "Schülerinnen und Schülern ist bis zum Ende des Schuljahres, in welchem Sie das 10. Lebensjahr vollenden, das Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, die mit einer Verhüllung des Hauptes verbunden ist, auch im Bewegungs- und Sportunterricht gesetzlich untersagt", heißt es darin etwa. Für den Schwimmunterricht bedeutet das, dass "das Tragen eines Ganzkörperanzuges mit losem Überkleid (Burkini) Schülerinnen bis zum 10. Lebensjahr" verboten ist. Nach dieser Altersgrenze ist der Burkini dagegen wieder erlaubt.

Dünne Haube ist erlaubt

Generell sollen die Lehrer "mit bewegungsbezogenen, pädagogischen sowie hygienischen Argumenten" sachlich und sensibel darauf hinwirken, dass ihre Schülerinnen und Schüler von sich aus keine Kopfbedeckungen im Turnen tragen – egal ob religiös geprägt oder nicht. Bei Schülerinnen ab dem 10. Lebensjahr, die trotz entsprechendenen Hinweises darauf bestehen, eine Kopfbedeckung aus weltanschaulichen oder religiösen Gründen zu tragen, müsse aufgrund der Verletzungsgefahr "uneingeschränkt gewährleistet sein, dass diese nicht durch Kämme, Haarnadeln oder -spangen befestigt ist".

Weiterer Hinweis: "Auch die Befestigung der Kopfbedeckung durch Fixierung um den Hals ist aus Sicherheitsgründen untersagt." Als Ersatz wird das "Tragen einer dünnen Haube, unter die die Haare gesteckt werden können", vorgeschlagen.

Klargestellt wird auch, "dass eine Befreiung vom Unterricht im Pflichtgegenstand Bewegung und Sport aus religiösen Gründen schulrechtlich nicht vorgesehen ist. Daher ist die Teilnahme am Unterricht im Pflichtgegenstand Bewegung und Sport beziehungsweise am Schwimmunterricht ausnahmslos verpflichtend."
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