Medienticker - Religion(en) in Österreich

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Wilfried Apfalter
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 1. September 2019, 13:51

Heute auf religion.orf.at: "Evangelischer Bischof Chalupka übernimmt Amt" (1.9.2019).
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Wilfried Apfalter
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 11. September 2019, 22:34

Heute auf religion.orf.at: "Bundeskanzlerin Bierlein lobt Wirken von Religionen" (11.9.2019).
Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein hat bei einem Empfang für alle gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften deren Wirken und die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Staat gewürdigt.

Religion sei in Österreich „selbstverständlich Bestandteil des öffentlichen Raums“ unterstrich Bierlein bei der Begegnung am Dienstag im Bundeskanzleramt in Wien. Neben dem für Kultusangelegenheiten zuständigen Minister Alexander Schallenberg ergriff auch Kardinal Christoph Schönborn für die Kirchen und Religionen das Wort.

Regierungschefin Bierlein hob die grundlegende Bedeutung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit für das Staat-Kirche-Verhältnis hervor. Der offene und konstruktive Dialog zwischen den politischen und religiösen Spitzen im Land habe europarechtlich mit Artikel 17 des Vertrags von Lissabon eine weitere Basis, wie die frühere Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs festhielt. Gerade in Wahlkampfzeiten gelte es, „das Ganze im Auge zu behalten“. Kirchen und Religionen hätten hierin eine wichtige Bedeutung, indem sie sich für Grundsätze und den Dialog einsetzten.

Neuer Kultusamt-Leiter vorgestellt

Im Rahmen des ersten derartigen Empfangs seit ihrer Bestellung zur Bundeskanzlerin stellte Bierlein auch den von ihr ernannten neuen Leiter des Kultusamtes vor. Mit Florian Welzig hat mit Ende August ein im Bundeskanzleramt bereits tätiger Jurist die Leitung der obersten staatlichen Religionsbehörde übernommen. Welzig folgt damit auf Oliver Henhapel, der im Mai in das Bildungsministerium gewechselt war.

Kultusminister Schallenberg verwies auf den Umstand, dass rund 80 Prozent der Bevölkerung in Österreich einer Kirche oder Religionsgemeinschaft angehören. Diese leisteten als Institutionen viel für die Allgemeinheit etwa in den Bereichen Bildung, Soziales und Ehrenamt. Wichtig sei ihr Eintreten für die Würde des Menschen und ihre Orientierungsfunktion.

Kirchen und Religionen hätten zudem eine „Vorbildwirkung im Kommunizieren“ und seien zudem ein wichtiger Dialogpartner für die Außen- und Europapolitik, wie der dafür zuständige Minister ausführte. Angesichts vielfältiger Herausforderungen „sind wir uns alle einig, dass Religion nicht Teil des Problems sein soll, sondern Teil der Lösung“, so Schallenberg.

[…]

Neben Kardinal Schönborn und Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka waren auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) und der neue evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka beim Empfang der Bundeskanzlerin. Weitere Teilnehmer waren u.a. der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Ümit Vural, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, der koptische Bischof Anba Gabriel und der armenisch-apostolische Bischof Tiran Petrosyan.
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Wilfried Apfalter
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 11. September 2019, 22:44

Heute auf religion.orf.at: "Frankreich: Ohne Kopftuch den Koran predigen" (11.9.2019).
Sie leiten das Gebet gläubiger Muslime, und das ganz ohne Kopftuch: In Frankreich haben erstmals weibliche Imame ihre Arbeit aufgenommen.

Das Land mit der größten muslimischen Gemeinde in Europa hat Nachholbedarf in Sachen Gleichberechtigung, meinen die engagierten Musliminnen. Unterstützung bekommen sie aus Berlin, wo bereits eine Imamin eine Reformgemeinde leitet.

Es sei „schön und bewegend zu sehen, dass die Idee weiblicher Imaminnen nun auch in Frankreich öffentlich praktiziert wird“, schreibt die Berlinerin Seyran Ates im Onlinedienst Twitter. Die deutsche Rechtsanwältin türkischer und kurdischer Abstammung ist die Gründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin und als Deutschlands erste Imamin bekannt.

Erstes von Frauen geleitetes Gebet

Ates nahm am Wochenende an dem ersten von Frauen geleiteten öffentlichen Gebet in Frankreich teil. Die Französinnen Eva Janadin und Anne-Sophie Monsinay versammelten dazu rund 60 Gläubige in Paris auf Gebetsteppichen in einem eigens angemieteten Saal.

Einige der anwesenden Frauen trugen Kopftuch, jedoch nicht die beiden jungen Imaminnen: Janadin und Monsinay sind Lehrerinnen, 29 und 30 Jahre alt und vor zehn Jahren zum Islam konvertiert. Sie wollen einmal monatlich auf Französisch und Arabisch mit Gleichgesinnten beten und ihre Vision eines „fortschrittlichen und aufgeklärten“ Islam verbreiten, wie sie sagen.

[…]

Größte muslimische Gemeinde Europas

In den USA gibt es bereits seit 2005 Imaminnen, und auch in Dänemark, Kanada und Großbritannien haben sich Frauen als Vorbeter - denn das heißt das arabische Wort „Imam“ - etabliert. Nun also auch in Frankreich, das nach Schätzungen rund fünf Millionen Muslime und damit die größte Gemeinde in Europa zählt. Kopfzerbrechen bereitet den Imaminnen vor allem die Suche nach geeigneten Räumen. Die Nachfrage sei jedenfalls da, sagt die Pionierin Monsinay.

Das bestätigen Gläubige, die zu dem ersten Gebet aus Frauenmund in Paris gekommen sind: Die 41-jährige Afida ist erleichtert, dass sie bei Janadin und Monsinay gemeinsam mit Männern beten kann. In traditionellen Moscheen sei sie missbilligenden Blicken ausgesetzt und müsse mit dem abgetrennten Gebetssaal für Frauen Vorlieb nehmen. „Es war das erste Mal, dass ich mich am richtigen Ort gefühlt habe“, schildert Afida.

Auch ein Mann pflichtet ihr bei. Für den 35-jährigen Mustapha Chaqri symbolisieren die Imaminnen „die Rückkehr zum ursprünglichen Islam“. Denn der muslimische Glauben mache „keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen“, betont er.
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 12. September 2019, 12:15

Heute auf religion.orf.at: "Freistetter: Krise in Kärnten als Chance nützen" (12.9.2919).
Bischof Werner Freistetter, Apostolischer Administrator der Diözese Gurk, appelliert an die Katholiken in Kärnten, die derzeitige Kirchenkrise als Chance für einen Neubeginn zu nützen.

Im Interview in der aktuellen Ausgabe der Kärntner Kirchenzeitung „Sonntag“ spricht Freistetter von einem sehr positiven Bild, dass er von der Kirche vor Ort gewonnen habe, freilich auch von Verunsicherung, Enttäuschung, Verbitterung und Ungeduld, die er wahrnehme. Er mahnt dazu, die Bewertung der Vorgänge Rom zu überlassen und ermutigt zu einem gesamtdiözesanen Gesprächsprozess und der Bereitschaft zur Versöhnung.

„In den Gesprächen habe ich gespürt, dass vielen Menschen die Kirche und der Glaube ein großes Anliegen sind. Ich habe schon das Gefühl, dass ein neuer Bischof hier gut anknüpfen und etwas Neues aufbauen kann. Auch wenn es zweifellos eine Krise gibt - eine Vertrauenskrise in die kirchliche Autorität“, so der Bischof wörtlich.

„Heiliger Stuhl hat letztes Wort“

Ihm sei wichtig festzuhalten, „dass eine Instanz, die etwas erhebt, nicht auch das Urteil fällen soll“. Das sei ein wichtiger Grundsatz in einem Rechtsstaat, so Freistetter: „Bei uns ist es der Heilige Stuhl, der das letzte Wort hat und Vorgänge bewertet. Ich denke, dass man gerade Papst Franziskus vertrauen kann, dass er sich die Dinge genau anschaut und ernsthaft beurteilt.“

Er glaube allerdings nicht, dass sich die Situation in Kärnten nach der Entscheidung Roms, wie immer diese auch ausfällt, von selbst beruhigen wird, „denn die ganzen Vorgänge sind emotional sehr tief in die Menschen eingedrungen, haben sie sehr beschäftigt“.

Ein neuer Bischof müsste deshalb die Situation zunächst in ihrer gesamten Widersprüchlichkeit sehr unvoreingenommen wahrnehmen und mit den Menschen das Gespräch suchen. Freistetter sprach von einem „gesamtdiözesanen Gesprächsprozesses“. Dabei gehe es aber nicht darum, „schuldig oder frei zu sprechen“. Ein Ausgangspunkt sollte sein, „dass wir einfach fehlbare Menschen sind. Vielleicht könnte man auch einen Blick in die Heilige Schrift werfen, wie da mit Konflikten umgegangen wird. Das wäre sicher ein guter Leitfaden.“

Zweifel an völliger Aufklärung

Zur Frage, ob ein Gesprächsprozess ohne eine entsprechende Aufarbeitung gelingen kann, antwortete der Bischof wörtlich: „Ich frage mich, worin so eine Aufarbeitung bestehen soll? Die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, sind sehr unterschiedlicher Meinung. Die einen sind schon mit einer Erklärung von Bischof Schwarz zufrieden. Anderen wäre das zu wenig.“ Er bezweifle auch, „dass alles vollkommen aufgeklärt werden kann“. Es sollten aber jedenfalls „die schwierigen Punkte in einer guten Weise benannt und aufgearbeitet werden. Nicht umsonst wird uns in der Heiligen Schrift immer wieder die Bereitschaft zum Verzeihen und zur Versöhnung empfohlen.“

[...]

„Die Gesellschaft stellt heute ganz besondere Anforderungen an unsere Glaubwürdigkeit. Wir brauchen daher eine Form des Handelns, der Auseinandersetzung in der Kirche, der Verwaltung und der Dienstleistung, die klar machen, dass wir den Auftrag Jesu erfüllen.“ Vor diesem Hintergrund habe die Kärntner Kirche eine große Chance, so der Bischof und weiter: „Ich stelle mir vor, dass daraus eine Beispielwirkung für die Kirche in ganz Österreich entstehen kann.“
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Tomtiger
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Tomtiger » 16. September 2019, 18:42

Hi,

https://religion.orf.at/stories/2991475/

Aktivisten: Ethik bei Religionen „in schlechten Händen“

Die Initiatoren der „Ethik für alle“-Plattform haben sich am Montag einmal mehr dagegen ausgesprochen, Ethik nur als Ersatzfach für Religion einzuführen. Ethische Themen seien bei Religionsgemeinschaften „in schlechten Händen“.

Das seien etwa Themen wie Frauenrechte oder Bioethik, sagte der Sprecher der Mitinitator der „Ethik für alle“-Plattform und Sprecher der Initiative Religion ist Privatsache, Eytan Reif, am Montag vor Journalistinnen und Journalisten. Der Plan der Vorgängerregierung, ein Ersatzpflichtfach Ethik für Schüler einzuführen, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, führe allerdings zu einer Stärkung von letzterem.

Wenn der Religionsunterricht noch stärker zur „primären Wertevermittlungsquelle“ in der Schule werde, müsse man sich darüber im Klaren sein, dass hier vor allem „vorgefertigte Antworten und nur Scheindiskussion“ aus dem Fundus der „in der Regel wenig demokratisch geführten“ Religionsgemeinschaften angeboten würden, so Reif bei einer Pressekonferenz in Wien.



Frauenrechte im islamischen Religionsunterricht

Es gebe zwar da und dort geringfügige Anpassungen von Standpunkten an die Lebensrealitäten des 21. Jahrhunderts. Letztendlich wäre es aber ein „Treppenwitz der Geschichte“, etwa bioethische Fragestellungen wie Standpunkte zur aktiven Sterbehilfe Vertretern der katholischen Kirche zu überlassen oder das Thema Frauenrechte mehr oder weniger exklusiv im islamischen Religionsunterricht behandeln zu lassen, so Reif.

Der von Ex-Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) vorgelegte Plan zum Ersatzpflichtfach Ethik ziele eindeutig auf die Attraktivierung des Religionsunterrichts ab. Es brauche aber vielmehr einen von den Glaubensgemeinschaften entkoppelten, verpflichtenden Ethikunterricht für alle, forderte Reif. Dem stimmte auch die frühere AHS-Direktorin Heidi Schrodt zu: „Ethik- und Religionsunterricht sind völlig verschiedene Dinge.“ Dass Religionslehrer Ethikunterricht halten, gehe nach ihrem Dafürhalten „gar nicht“. Daher sollte die „schlechte Lösung der Vorgängerregierung“ nicht umgesetzt werden, so Schrodt.


Bioethik „mit Religion nichts zu tun“

Fragen der Bioethik - also zum Umgang mit dem Leben an sich - stellten sich als „enorm komplexe Materie“ heraus, die sich zudem im Lauf der Zeit verändere, sagte die Wiener Mikrobiologin Renee Schroeder. „Das hat mit Religion gar nichts zu tun, sondern mit Wissenschaft“, so das frühere Mitglied der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt.

Im Ethikunterricht brauche es vor allem Wissen und Verbindungen zu anderen Fächern wie eben der Biologie, in der rasant neue Technologien entwickelt werden, die beträchtliche neue Herausforderungen und neue Fragen zum Menschsein selbst mit sich bringen.


Ethik „kein Allheilmittel, aber wichtig“

Ein Fortschreiten des „Backlash“ im Bezug auf tatsächlich gelebte Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Männern und Frauen befürchtete die Mitinitiatorin des Frauenvolksbegehrens, Lena Jäger. In den Glaubensgemeinschaften dominierten patriarchale Sichtweisen noch immer stark. Ein verpflichtender Ethikunterricht für alle sei kein Allheilmittel gegen gesellschaftliche Rückschritte, aber immerhin ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wichtig wäre, dass in dessen Rahmen „nicht offen religiös lebende Lehrer unterrichten“, so Jäger.

Dieser „notwendige“ Ethikunterricht sollte wichtige Themen ansprechen, die bisher an Schulen kaum Platz fänden, so die Bundesvorsitzende der SPÖ-nahen Aktion kritischer SchülerInnen (AKS), Noomi Anyanwu. An vielen Schulen sei etwa „Sexismus etwas ganz Normales“. Dies seien dann „keine Orte, an dem man Leben und Lernen kann“. Vielfach hätten vor allem Mädchen und junge Frauen niemanden, der ihnen zuhört. Die Religionsgemeinschaften seien hier eher nicht der richtige Ansprechpartner, zeigte sich Anyanwu überzeugt.


Katholische Kirche für geplantes Modell

Kirchliche Organisationen sehen das freilich anders. Auch Religionspädagogen und Theologen haben sich in der Vergangenheit positiv darüber geäußert, dass zukünftig alle Schülerinnen und Schüler in der Schule mit ethischen Fragestellungen auseinandersetzen. Im Religionsunterricht würde dies bereits passieren.

Die römisch-katholische Österreichische Bischofskonferenz hatte in einer Erklärung zum Abschluss ihrer Frühjahrsvollversammlung festgehalten, die Vermittlung ethischer Bildung gehöre zu den Kernaufgaben der Schule. Für viele Schüler werde dieser Auftrag im Religionsunterricht erfüllt, „weil er immer schon ethische Fragen behandelt, ohne sich darin zu erschöpfen“. Der geplante Ethikunterricht sei besonders in Hinblick auf die zunehmend größer werdende Gruppe der Schülerinnen und Schüler ohne religiöses Bekenntnis „sinnvoll und notwendig“.
LG Tom

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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 17. September 2019, 14:17

Heute auf religion.of.at: "Uni Wien benennt Hörsaal nach Kardinal Franz König" (17.9.2019).
Die Universität Wien benennt einen Hörsaal in ihrem Hauptgebäude nach ihrem früheren Studenten, dem ehemaligen Wiener Erzbischof und Kardinal Franz König (1905-2004).

Der ehemalige Student und Ehrendoktor der Uni habe als habilitierter Religionswissenschafter den Dialog an der Schnittstelle von Wissenschaft, Gesellschaft und Religionen und zwischen den Religionen gefördert, hieß es in einer Aussendung.

[…]

Als Erzbischof von Wien (1956-1985) habe König eine Neuausrichtung der Katholisch-Theologischen Fakultät unterstützt, so die Universität. So regte er 1967 ein Institut für Atheismus-Forschung sowie 1975 eine Professur für Ostkirchenkunde zur Erforschung orthodoxer und orientalischer Kirchentraditionen an. Der Festakt zur Hörsaalbenennung findet am 3. Oktober statt.
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

Wilfried Apfalter
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 20. September 2019, 15:00

Heute auf religion.of.at: "Zeitzeuge Marko Feingold gestorben" (20.9.2019).
Marko Feingold, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, ist am Donnerstag im Alter von 106 Jahren gestorben. Zu seinen Lebensaufgaben gehörte, die Erinnerung an die Schrecken des Nationalsozialismus wach zu halten.

Wie die Israelitische Kultusgemeinde Wien am Freitag bestätigte, ist Feingold am Donnerstag mit 106 Jahren gestorben. So etwas wie Ruhestand kannte er nicht. Bis zuletzt hielt er stundenlange Vorträge in Schulen, um als Zeitzeuge von den Schrecken des Nationalsozialismus zu berichten. Die Erinnerung wach zu halten, war eine seiner Lebensaufgaben. Er überlebte mehrere Konzentrationslager, trotzdem kannte er keinen Hass: „Die Nazis waren verirrte Menschen“.

Auch bei offiziellen Anlässen vertrat Feingold die kleine jüdische Gemeinde in Salzburg bis über seinen 100. Geburtstag hinaus. Mit dem früheren Erzbischof von Salzburg, Alois Kothgasser verband ihn eine herzliche Freundschaft. „Der Erzbischof begrüßt mich immer als seinen jüngeren Bruder“, erzählte Feingold im Gespräch mit der APA anlässlich seines 100. Geburtstags.

Einziger Überlebender

Von den eigenen drei Geschwistern - Feingold hatte zwei ältere Brüder und eine jüngere Schwester - hat keines die Zeit des Nationalsozialismus überlebt. Nur Marko kam mit dem Leben davon. Von 1939 an war er in den Konzentrationslagern Auschwitz, Neuengamme, Dachau und Buchenwald, ehe er 1945 befreit wurde und durch Zufall nach Salzburg kam.

Geboren wurde Feingold am 28. Mai 1913 in Besztercebanya/Neusohl in Österreich-Ungarn. Aufgewachsen ist er in Wien, wo er nach der Schule eine Lehre als kaufmännischer Angestellter machte. „Ich war einer der jüngsten Handelsangestellten in Wien“, erzählt er. Vom Lohn konnte er sich ein kleines Zimmer leisten. Ins Theater zu gehen, gehörte zu seinen großen Leidenschaften. Unter der Regierung Dollfuß wurde Feingold arbeitslos: „Mir muss niemand erzählen, was Armut ist.“

Flucht nach Italien

Nachdem es in Österreich keine Aussichten auf Arbeit gab, ging er gemeinsam mit seinem Bruder Ernst nach Italien. Feingold lernte rasch Italienisch, die Brüder bauten einen Handel für chemisch-technische Produkte auf und waren sehr erfolgreich. „Das waren die fettesten Jahre meines Lebens“, erinnert sich der IKG-Präsident. Die beiden ließen es sich gut gehen, kleideten sich nach der neuesten Mode. „Die Koffer sind immer mehr geworden. Wir brauchten zwei Taxis, weil in einem unser Gepäck nicht mehr Platz hatte.“

Im Februar 1938 kamen die Feingold-Brüder zurück nach Wien, um ihre Pässe verlängern zu lassen. Doch es war Fasching, man war immer bis in die frühen Morgenstunden unterwegs, zum Anstellen vor dem Passamt blieb keine Zeit. „Mein Leben ist eine Geschichte der Zufälle“, ist Feingold überzeugt. Im März übernahmen die Nationalsozialisten die Macht. „Wir standen ohne Pass da, konnten nicht mehr zurück nach Italien, weil Mussolini die Grenze gesperrt hatte.“

„Österreich kein Opfer“

Dass Österreich das erste Opfer der Nationalsozialisten war, lässt Feingold nicht gelten: „Mit offenen Armen sind die Wiener da gestanden und haben die Nationalsozialisten begrüßt. Auch Karl Renner ist gleich für den Anschluss gewesen" - mehr dazu in: Feingold kritisiert Umgang mit Vergangenheit.

Marko Feingold und sein Bruder wurden verhaftet und mehrere Tage verhört. Es gelang ihm zuerst die Flucht nach Prag, schließlich wurde er aber verhaftet und in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht. „Man hat uns damals gesagt: Als Jude hast Du noch drei Monate zu leben, dann gehst Du durch den Kamin“, erinnert sich Feingold. Nur mit viel Glück gelang es ihm, das Lager zu überleben.

Mehrere Konzentrationslager überlebt

In Auschwitz magerte er auf 30 Kilogramm ab, wurde krank und war ausgemergelt von der Schwerarbeit. Er kam mit einem Transport ins Lager Neuengamme und später nach Dachau. Schließlich wurde er ins KZ Buchenwald überstellt, wo er nach Steinbruch und Fuhrkolonne schließlich den Maurern, die ein Rüstungswerk in der Nähe des Lagers bauen sollten, zugeteilt wurde. Dass die Arbeitskraft der Häftlinge benötigt wurde, rettete ihm das Leben. Auf die Frage, ob er Glück gehabt habe, meint er: „Ich betrachte alle diese Sachen als Zufall.“ Hass empfand er nicht. Die Nationalsozialisten waren verirrte Menschen.“

„Ich war ein Flüchtling im eigenen Land“, schildert Feingold die Rückkehr nach Österreich. Man habe die Juden eigentlich nicht zurückhaben wollen. Am 11. April 1945 war das KZ Buchenwald von den Amerikanern befreit worden. Durch Zufall gelangte Feingold nach Salzburg. Der junge Mann meldete sich für die Auswanderung nach Amerika. Doch es kam anders: Feingold blieb in Salzburg.

Fluchthelfer

Er schlug sich durch, wurde unmittelbar nach seiner Ankunft Leiter der Versorgungsstelle für politisch Verfolgte. „Wir haben täglich 500 Personen mit Essen versorgt“, erinnert sich Feingold. Über die Untergrundorganisation Bricha half er nach 1945 Tausenden Juden bei ihrer illegalen Flucht nach Palästina. Von der amerikanischen Besatzung wusste Feingold, dass die Landesregierung Lastautos hatte. „Als sie mir keine geben wollten, habe ich gesagt: Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder ich bekomme die Lastautos oder die Juden bleiben da“, erzählt er. Er bekam die Laster.

[…]

Gegen das Vergessen

Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde war Feingold seit ihrer Gründung im Jahr 1946. Er war von 1946 bis 1947 auch kurz deren Präsident. In der Stadt Salzburg eröffnete Feingold 1948 ein Modegeschäft, das er bis zu seiner Pensionierung 1977 führte. Seit 1977 leitete er die Israelitische Kultusgemeinde in Salzburg und engagierte sich gemeinsam mit seiner zweiten Frau Hanna gegen das Vergessen.
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 20. September 2019, 18:27

Heute auf religion.orf.at: "Kirchen veröffentlichen Orientierungshilfe zur Wahl" (20.9.2019).

In dieser Orientierungshilfe zur Wahl des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) ist lesen:
An alle Christinnen und Christen und alle Menschen guten Willens in Österreich!

Wahlen stehen vor der Tür. Für viele Österreicherinnen und Österreicher kommen sie unerwartet. Angesichts der Regierungskrise, die zu diesen Wahlen geführt hat, sind sie von besonderer Bedeutung. Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich ruft daher alle Wahlberechtigten auf, ihrer Pflicht und Verantwortung als Bürgerinnen und Bürger in einer Demokratie nachzukommen, die Konzepte und Vorschläge der wahlwerbenden Parteien für unser Land sorgfältig zu prüfen und am 29. September wählen zu gehen.

Das Evangelium, das wir als Christinnen und Christen gemeinsam bezeugen, gibt uns keine Anweisungen, wohl aber beauftragt es uns, kritische Anfragen an Politik und Gesellschaft zu richten. Auf diese Weise kommen die christlichen Kirchen ihrer prophetischen Aufgabe in der Welt nach. Wo etwa Schwache an den Rand gedrängt werden, über sie abschätzig geredet und damit der Gewalt Vorschub geleistet wird, müssen die christlichen Kirchen wie auch jede/r Einzelne energisch widerstehen. Gegenüber der Herabwürdigung der Menschenrechte und gegenüber dem Angriff auf demokratische Grundstandards ist Toleranz nicht möglich; Genauso wenig wie gegenüber Antisemitismus und Rassismus.

Die folgenden Fragen sind eine Orientierungshilfe, um das Gewissen zu schärfen, die eigene Meinung verantwortungsbewusst zu prüfen, wohl begründete Entscheidungen zu treffen und darüber freimütig mit anderen ins Gespräch zu kommen.

"Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein!" (Matthäus 5,37)
• Werden die anstehenden Probleme ehrlich benannt oder verschleiert?
• Sind die Versprechungen und Zukunftsperspektiven glaubwürdig?
• In welchem Ausmaß und auf welche Weise werden Angst, Unsicherheit und Vorurteile der Menschen gefördert oder vermindert?

"Dem Herrn gehört die Erde" (Psalm 24,1)
• Welchen Stellenwert hat der umfassende Schutz des Lebens?
• Welchen Stellenwert haben die natürlichen Lebensgrundlagen?
• Welchen Stellenwert hat der Klimaschutz?

"Es soll bei dir gar keine Armen geben" (Deuteronomium 15,4)
• Welche Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut im Land/der Stadt werden vorgesehen?
• Welche konkreten sozialen Maßnahmen verbinden sich mit dem Eintreten für eine ökosoziale Marktwirtschaft"?
• Welche konkreten Maßnahmen erhöhen Armut und bedrücken Ärmere noch mehr?
• Welche Maßnahmen sind im Hinblick auf die dramatische Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung vorgesehen?

„Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen“ (Matthäus 25,26)
• Welche Vorschläge für eine integrative Politik werden gemacht?
• Welche Unterstützung und Wertschätzung bekommt das Freiwilligen-Engagement für und mit anderen?

"Gerechtigkeit erhöht ein Volk" (Sprichwörter 14,34)
• Wie sprechen Politiker sowie die Vertreter/innen der Parteien von Minderheiten?
• Welcher Stellenwert wird der Würde des Menschen zugestanden – vor Leistung und Status?
• Von welchem Geist sind ihre Äußerungen über die Aufgaben der Polizei, über Gerichtsverfahren und Strafrecht bestimmt?
• Ist die Freiheit der Meinungsäußerung unangetastet oder bestehen Tendenzen zur Einschüchterung kritischer Stimmen?

"Selig, die Frieden stiften" (Matthäus 5,9)
• Welches Gewicht hat die militärische Konfliktlösung gegenüber sozialen, politischen und kulturellen Maßnahmen?
• Was wird in Bildung, Kultur und Sozialpolitik für gegenseitiges Verständnis und Toleranz getan?
• Welchen Beitrag kann Europa zu sozialem Ausgleich und Frieden leisten?

++++++++++++++++++

Wir laden Sie herzlich ein mitzuhelfen, dass die Auseinandersetzungen in den kommenden gesellschaftlichen Beratungen und Entscheidungen mit unseren christlichen Grundüberzeugungen vereinbar sind. Das wäre auch ein Beitrag dafür, dass Werte wie Menschenwürde, Menschenrechte, sozialer Ausgleich und gegenseitiges Verständnis keine leeren Phrasen sind, sondern fest im gemeinsamen Leben aller Menschen in Österreich verankert bleiben.
Wilfried Apfalter - auch Paragreifenzähmer der ARG

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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Eosphoros » 23. September 2019, 15:40

https://religion.orf.at/stories/2991824/
Atheisten bereiten Antrag zur Anerkennung vor

Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich (ARG) plant noch heuer eine neue Antragstellung auf staatliche Anerkennung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft. Der Prozess dauert bereits mehrere Jahre.

Die vom Bekenntnisgemeinschaftengesetz geforderte Anzahl von 300 Mitgliedern war bereits 2015 erreicht, der Antrag auf staatliche Eintragung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft blieb damals erfolglos. Formale Erfordernisse hätten gefehlt, sagte Wilfried Apfalter, Präsidiumsmitglied der ARG, gegenüber religion.ORF.at. Jetzt habe man von allen Mitgliedern eidesstattliche Erklärungen, dass sie keiner anderen Religions- oder Bekenntnisgemeinschaft angehören, sowie ihre Adressen und Ausweiskopien.

Die kommende Antragstellung werde „derzeit im Detail ausgearbeitet und sorgfältig und umsichtig vorbereitet“, so eine Aussendung der ARG. Man müsse sich noch auf rechtliche Vorgehensweisen einstellen und vorbereiten, erklärte Apfalter.
Manchen zu religiös

Nicht alle Mitglieder sind noch dieselben wie 2015, die Gesellschaft ist auch unter atheistisch engestellten Menschen umstritten. „Manchen ist die Atheistische Religionsgesellschaft zu religiös geworden“, sagte Apfalter. Die ARG fordert die volle Gleichberechtigung und Anerkennung als Religionsgesellschaft in Österreich: „Wir wollen damit auch neue Räume kultureller Partizipation für Atheistinnen und Atheisten eröffnen und einen gesellschaftlichen Wandlungsprozess dessen, was als Religion wahrgenommen und angenommen wird und wie Religion gelebt wird, sichtbar machen“, heißt es in der Aussendung.
Menschlichkeit im Zentrum

Die Atheistische Religionsgesellschaft wendet sich gegen die Gleichsetzung von Religion mit Theismus. „Wir glauben nicht, dass Götter Menschen erschaffen haben, sondern dass Menschen Götter erschaffen haben (und erschaffen)“, heißt es auf der Homepage. Man wolle Religion als „praktische Lebenshilfe“ praktizieren. Religion wird als kulturell verankertes Phänomen betrachtet, mit dem sie sich auch beschäftigen.

Die Gesellschaft sieht den Humanismus als ethisches Zentrum des Atheismus. Dieser stelle den Menschen in den Mittelpunkt seiner ethischen Überlegungen und fordere sozialen und verantwortungsvollen Umgang miteinander. Die Mitgliedschaft bei der ARG ist kostenlos.

Nina Goldmann, religion.ORF.at
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Re: Medienticker - Religion(en) in Österreich

Beitrag von Wilfried Apfalter » 24. September 2019, 12:34

Heute auf salzburg.orf.at: "Neue Berechnung: Weniger Religionsstunden an Schulen" (24.9.2019).
Eine Rechtsauskunft des Bildungsressorts in Wien sorgt für weniger Religionsstunden an Salzburgs Schulen. Anders als bisher dürfen bei der Berechnung der Religionsstunden die Schüler ohne Bekenntnis, die trotzdem den Religionsunterricht besuchen, nicht mehr mitgezählt werden.

Das Bundesministerium pocht auf das Gesetz. Die Salzburger Landesregierung will bei der nächsten Regierung auf eine Reform drängen. Laut Paragraf 7a des Religionsunterrichtsgesetzes gibt es ab dem zehnten Schüler in einer Klasse, der zum Religionsunterricht einer Konfession angemeldet ist, eine zweite Religionsstunde pro Woche. Sind es weniger, gibt es nur eine Stunde.

Es geht bundesweit um 85.000 Schüler

Bei der Berechnung dürfen dabei aber nur Schüler des jeweiligen Bekenntnisses berücksichtigt werden, wie das Bildungsministerium auf Anfrage des Amts der Salzburger Landesregierung mit Verweis auf das Gesetz festgehalten hat. Nur für diese ist Religion ein Pflichtfach. Schüler ohne Bekenntnis können den Religionsunterricht auf freiwilliger Basis besuchen – in diesem Fall als Freifach. In Salzburg hat die nunmehrige Berechnungspraxis laut „Salzburger Nachrichten“ nun dazu geführt, dass 80 Stunden für den römisch-katholischen Religionsunterricht wegfallen.

„Diese Schüler sind relevanter Faktor“

Laut dem Erzbischöflichen Amt für Schule und Bildung ist es allerdings nicht nur in Salzburg, sondern in allen Bundesländern „in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten Standard und gelebte Praxis“, dass auch Schüler ohne Bekenntnis in die Berechnung der wöchentlichen Religionsstunden einfließen. Die Gruppe ist ein relevanter Faktor, immerhin ist mehr als ein Viertel der 85.000 Schüler ohne Bekenntnis zum Freifach römisch-katholische Religion angemeldet, so Leiterin Andrea Pinz gegenüber der APA. Davon, dass dies nicht erlaubt sei, sei ihr von offizieller Seite nichts bekannt.

Das Bildungsministerium kündigt gegenüber der APA baldige Gespräche mit allen Ländern an. Dabei soll geklärt werden, wie das Gesetz derzeit in der Praxis ausgelegt und umgesetzt wird, und eine gemeinsame, für alle Bundesländer einheitliche Lösung gesucht werden.

[...]
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